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Marcus Fredebeul: Situiertes Lernen und Blended Learning. Didaktische Konzeptionen und methodische Gestaltungsgrundsätze.

Rezensent: Dirk Jahn

Quelle: Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning. www.personalwirtschaft.de/elearning

Originalliteratur:  Fredebeul, Marcus: Situiertes Lernen und Blended Learning. Didaktische Konzeptionen und methodische Gestaltungsgrundsätze. Saarbrücken (AV Akademikerverlag) 2012, ISBN 978-3639407914, 104 Seiten, 49,00 Euro.

Die pädagogische Transferforschung hat gezeigt, dass das Lernen ohne praxisorientierten, authentischen Handlungsbezug oftmals zu »trägem« Wissen führt, welches in beruflichen Situationen dann brachliegt und nicht erfolgreich angewendet bzw. übertragen werden kann. Die Vermittlung der Theorie zu Verkaufsgesprächen durch einen Vortrag im Klassenzimmer ist z. B. weitaus ineffektiver als die authentische Simulation eines Verkaufsgespräches in einem Verkaufsraum. Fallen also Lern- und Anwendungssituation zusammen, kann der Lernende mit einer hohen Wahrscheinlichkeit diese und dann auch ähnliche Problemstellungen meistern. »Situiertes«, also in konkrete (berufliche) Situationen eingebundenes Lernen, wird folglich als ein Schlüssel dazu angesehen, den wachsenden Anforderungen der Berufswelt gerecht werden zu können, indem Lernende adäquate Problemlösekompetenzen ausprägen.

Wie sollten aber Weiterbildungsmaßnahmen bzw. Lernsituationen im Bereich Blended Learning gestaltet werden, damit das angeeignete Wissen in zukünftigen Praxissituationen angewendet werden kann und die genannte Problemlösekompetenz gefördert wird? Dieser Frage geht Marcus Fredebeul in seiner wissenschaftlichen Arbeit nach.

Neben den grundlegenden Ausführungen zum Blended-Learning-Konzept möchte der Wirtschaftswissenschaftler vor allem die didaktischen Prinzipien des situierten Lernens ergründen und praktische Gestaltungsansätze im Hinblick auf »situiertes« Blended Learning aufzeigen. Das Buch richtet sich somit an Ausbilder, Dozenten oder Lehrkräfte sowohl in der Weiter- und Erwachsenenbildung als auch in Schule und Hochschule.

Nach einer Einführung in die Theorie zu Blended Learning erörtert Fredebeul die Didaktik des situierten Lernens, insbesondere durch die Diskussion von Lerntheorien wie den Konstruktivismus oder der Beleuchtung relevanter didaktischer Ansätze wie etwa der Anchored Instruction.

Anschließend werden didaktische Kriterien situierten Lernens bezüglich der Gestaltung von Lernumgebungen aufgestellt. Zu nennen sind dabei z. B. Authentizität, Komplexität, Praxisnähe, sozialer Kontext oder aber auch multiple Perspektiven sowie Artikulation und Reflexion.

In einem weiteren Kapitel werden nun diese Kriterien bezüglich ihrer Umsetzung und Anwendung anhand eines didaktischen Modells ausgelotet. Es wird beschrieben, wie dem Handlungslernen verschriebenes Blended Learning geplant und durchgeführt werden kann. Der Autor diskutiert z. B., wie Lerninhalte anhand dieser Kriterien entwickelt werden sollten, welche Methoden eingesetzt werden können, was bei der Sequenzierung bzw. beim Ablauf von Online- und Präsenzphasen beachtetet und wie Aufgaben gestaltet werden sollten oder aber auch, welche didaktischen Anforderungen – wie z. B. das Scaffolding – den pädagogischen Professionals in den einzelnen Schritten zukommen. Auch die Grenzen und Risiken dieses Ansatzes werden kurz und prägnant darge stellt.

Eine Zusammenfassung schließt die Arbeit. Im Anhang stellt der Autor noch weitere praktische Anregungen wie etwa exemplarische Gestaltungselemente in Form von Tabellen zur Verfügung.

Fazit: Die bereits 2007 erschienene und jetzt neu aufgelegte Arbeit ist ein fundierter und hilfreicher Wegweiser zur Ausgestaltung situierter Blended- Learning-Szenarien, der gerade für Einsteiger theoretische Klärung schafft und praktische Impulse bietet. Die Gestaltungsempfehlungen werden sehr gründlich und analytisch erarbeitet. Für die praktische Umsetzung der gegebenen Empfehlungen hingegen wäre bei aller notwendigen Durchdringung von Theorie auch die exemplarische Darstellung, etwa anhand einiger guter Beispiele aus der Praxis, wünschenswert gewesen.