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Förderung überfachlicher Kompetenzen durch studentische Praktika

Kurzinfos_FBZHL_1-2013-ZFHE-2010-2-87

Aus der Reihe

Schriften zur Hochschuldidaktik. Beiträge und Empfehlungen des Fortbildungszentrums Hochschullehre der Friedrich-­Alexander Universität Erlangen-­Nürnberg.

Helmut Adelhofer, vorm. Universität Wuppertal

Studienfach: Maschinenbau > übertragbar auf andere Fächer

Quelle

Zeitschrift für Hochschulentwicklung (FZHE), Jg.5 / Nr. 2 (Juni 2010), S. 87–92

http://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/5

Problembeschreibung / Zieldefinition

Praktika stellen für die Studierenden oft die einzige Möglichkeit dar, das universitäre Wissen im beruflichen Alltag zu erproben und überfachliche Kompetenzen (sog. Soft Skills) weiterzuentwickeln.

Daher sollten nicht nur Inhalt und Ablauf, sondern auch die Leistungsbewertung von Praktika ernst genommen werden, um sie optimal für eine Rückmeldung nutzen zu können. So können den Studierenden konkrete Hinweise gegeben werden, welche ihrer sozialen und überfachlichen Kompetenzen sie weiterentwickeln sollten.

An der Hochschule Karlsruhe Technik & Wirtschaft wurde im Rahmen eines Förderprojekts des Ministeriums für Bildung, Forschung & Kunst in Baden-Württemberg ein Konzept zur Durchführung und Evaluation von studentischen Praktika entwickelt, das genau diesen Aspekt berücksichtigt und das wir daher den Lehrenden der FAU empfehlen möchten. Das Ziel ist eine nachweisbare Er-höhung der Employability der Studierenden.

Herangehensweise / Lösungsansatz

Das Konzept wurde an der Universität Wuppertal weiterentwickelt und nutzt die Evaluation im Praktikum, um den Studierenden eine Rückmeldung zu ihren fachlichen und überfachlichen Kompetenzen geben zu können. Das Konzept besteht aus drei Phasen:

3-Phasen-Konzept

3-Phasen-Konzept

Phase 1: Praktikumsstart

Zunächst suchen die Studierenden zusammen mit ihren verantwortlichen ProfessorInnen einen Praktikumsplatz und eine studiengerechte Arbeitsaufgabe. Ein zweiwöchiges Vorbereitungsseminar vermittelt ihnen Grundlagen und Handwerkszeug in Soft-Skills in Theorie und Praxis für einen erfolgreichen Verlauf der Praxisphase.

Eine anonyme, standardisierte Selbsteinschätzung der Studierenden zu individuellen Stärken und Schwächen bildet die Basis für individuelle Entwicklungsziele im Praktikum. Kurz nach Praktikumsstart dient ein Status-Meeting mit allen Studierenden und den betreuenden ProfessorInnen der Analyse und Lösung von poten-ziellen Problemsituationen, die den weiteren Praktikumsverlauf stören könnten.

Phase 2: Durchführung der Praktika

Neu an dem Konzept ist, dass hier nicht nur die fachlichen, sondern auch die überfachlichen Leistungen der Studierenden von den BetreuerInnen vor Ort standardisiert bewertet, in einem intensiven mündlichen Feedback besprochen und im PraktikantInnenzeugnis dokumentiert werden. Zusammen mit der Beno-tung des Praktikumsberichts durch die verantwortlichen ProfessorInnen bildet dies die Basis für eine differenzierte Gesamteinschätzung der individuellen studentischen Leistung, die im anschließenden Kolloquium bewertet wird.

Phase 3: Prüfung und abschließende Leistungsbewertung

Nach Beendigung des Praktikums findet für alle teilnehmenden Studierenden ein Hochschulkolloquium statt. Hier wird die studentische Leistung von zwei FachprofessorInnen im Sinne eines strukturierten Interviews umfassend bewertet und zusammen mit den vorher gesammelten Beurteilungen abschließend benotet.

In allen drei Phasen werden eigens entwickelte, standardisierte Bewertungssysteme eingesetzt.

Aufwand

Es steht eine umfangreiche Konzept-CD zur Verfügung, auf der alle Methoden, Abläufe und Formalien zu Einführung und Umsetzung detailliert enthalten sind.

Die Anpassung des mehrdimensionalen Praktikumskonzepts mit standardisierten Bewertungskriterien auf die Gegebenheiten der FAU bedeutet sicher einen gewissen Aufwand im Vorlauf. Sobald aber das Konzept steht, kann es ohne Prob-leme auf Ihren Fachbereich und über mehrere Semester hinweg eingesetzt werden.

Der Aufwand bei der Durchführung selbst hängt nach unserer Einschätzung maßgeblich von der Qualität der eingesetzten Beurteilungsinstrumente ab.

Art der Evaluation, Erfolgsfaktoren und Resultate

Das 3-P-K hat sich seit seiner Einführung in etwa 1.000 in- und ausländischen Praktika bewährt. Es konnte festgestellt werden, dass der hohe Praxisbezug des Konzepts bei den teilnehmenden Studierenden sehr gut ankommt und ihre Unzufriedenheit bzgl. der Verschulungstendenzen des Studiums schmälert. Effizienz und Erfahrungsgewinn durch den strukturierten Ablauf nach dem 3-P-K werden als erheblich eingestuft. Durch die Dokumentation erhalten zukünftige Arbeitgebe-rInnen über AbsolventInnen wichtige Informationen, was Personalauswahl- und Einstellungsprozesse positiv beeinflusst.

Empfehlungen

Eine umfangreiche Konzept-CD kann kostenlos an der Universität Wuppertal be-stellt werden (Kontakt: Brigitte Fricke, fricke@uni-wuppertal.de).

Verallgemeinerbarkeit

Gründlich durchdacht, kann das Konzept auf mehrere Fächer und Disziplinen angewandt werden und stellt damit auch die Konformität mit den Anforderungen der Akkreditierungskriterien für Praktika nach Bologna sicher. Das 3-P-K ist auch für Auslands-Praktika verwendbar.