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Förderung von überfachlichen Kompetenzen mit einem integrativen Ansatz – am Beispiel Ingenieurwissenschaften

Zwei didaktische Säulen zur Schulung von überfachlichen Kompetenzen

Kurzinfos_FBZHL_8-2014-ZFHE-2012-4-32

Aus der Reihe

Schriften zur Hochschuldidaktik. Beiträge und Empfehlungen des Fortbildungszentrums Hochschullehre der Friedrich-­Alexander Universität Erlangen-­Nürnberg.

Katja Poser, Katrin Klink, Anke Diez & Alexander Wanner,
Karlsruher Institut Für Technologie

Quelle

Zeitschrift für Hochschulentwicklung (FZHE), Jg. 7 / Nr. 4 (Oktober 2012), S. 32-41
http://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/478

Problembeschreibung / Zieldefinition

Überfachliche Kompetenzen, wie z .B. Zeitmanagement, rhetorische Fertigkeiten oder Projektmanagementfähigkeiten, werden heutzutage in allen Studiengängen groß geschrieben und stellen sicher eine wichtige Voraussetzung für die sogenannte Employability bzw. Arbeitsmarktfähigkeit dar.

Im Folgenden wird daher ein integrativer Ansatz zur Schulung überfachlicher Kompetenzen vorgestellt, der am Karlsruher Institut Für Technologie zunächst in einem Pilotprojekt entwickelt wurde und später wegen des großen Erfolgs als Teil des Curriculums für Studierende der Ingenieurwissenschaften implementiert wurde. Der Ansatz wurde in einer Lehrveranstaltung mit dem Titel „Arbeitstechniken für den Maschinenbau“ umgesetzt (wobei Arbeitstechniken als Synonym für überfachliche Kompetenzen zu sehen ist).

Herangehensweise / Lösungsansatz

Der Lehrveranstaltung mit dem Titel „Arbeitstechniken für den Maschinenbau“ ging zunächst eine sorgfältige Analyse voraus, bei der die überfachlichen Kompetenzen herauskristallisiert wurden, die für Studierende der Ingenieurwissenschaften wichtig sind. Befragt wurden dafür die Studierenden selbst, AbsolventInnen sowie Fakultätsratsmitglieder des Studiengangs.

Die daraus ermittelten überfachlichen Kompetenzen waren: Recherchieren, Projektmanagement, Zeitmanagement, Präsentieren, Körpersprache sowie Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. (Möglicherweise würden sich bei einer solchen Befragung in einem anderen Studiengang auch andere überfachliche Kompetenzen ergeben.)

Auf Basis dieser Analyse wurde die Lehrveranstaltung entwickelt und auf zwei didaktischen Säulen aufgebaut.

Säule 1: Hier wurde eine Ringvorlesung mit acht Doppelstunden angeboten, in der die Inhalte zu den ermittelten überfachlichen Kompetenzen möglichst praxisnah vermittelt wurden.

In Säule 2, die aus vier vertiefenden Workshops bestand, konnten die Studierenden in Gruppen à 20 Personen ihre Handlungskompetenzen erproben und verbessern. Hier wurde das in der Ringvorlesung erworbene Wissen vertieft, praktisch umgesetzt und anhand von Feedback durch Peers und ExpertInnen optimiert.

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Zwei didaktische Säulen zur Schulung überfachlicher Kompetenzen

Um die erforderliche didaktische Qualität der Lehrenden und deren eigenes Wissen und Können bzgl. der überfachlichen Kompetenzen zu gewährleisten, wurden diese von Fachleuten der hiesigen Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik geschult und begleitet. Ein positiver Nebeneffekt war dadurch auch die kontinuierliche Verbesserung der DozentInnen hinsichtlich der eigenen hochschuldidaktischen Fertigkeiten.

Aufwand

Der Ansatz zeigt, dass die Schulung von überfachlichen Kompetenzen auch für eine große Teilnehmerzahl relativ unaufwändig umgesetzt werden kann.

Die hohe Qualitätsanforderung des Konzepts hat allerdings ihren Preis: Der praktische Teil, also die Workshops zur Übung der Kompetenzen, erfordert ein hohes Maß didaktischer Fähigkeiten bei den Lehrenden, die kontinuierlich eingeübt und betreut werden müssen. Hier entsteht doch ein gewisser personeller Aufwand.

Art der Evaluation, Erfolgsfaktoren und Resultate

Das Pilotprojekt am Karlsruher Institut Für Technologie begann mit 100 Studierenden der Ingenieurwissenschaften und die Resonanz war höchst positiv: 97% der teilnehmenden Studierenden absolvierten die Veranstaltung erfolgreich und die Evaluation zeigte eine überwiegende Zufriedenheit mit dem Konzept.

Daher wurde das Angebot zunächst ausgeweitet und dann als Pflichtveranstaltung mit bislang 23 Gruppen und 570 TeilnehmerInnen im Jahr implementiert.

Mit Hilfe von die hochschuldidaktische Qualifizierungen der Lehrenden wurde die Qualität der Veranstaltung gleichbleibend auf hohem Niveau gehalten.

Empfehlungen

Fazit: Ein höchst empfehlenswertes, relativ einfach umzusetzendes Programm zur Entwicklung allgemeiner überfachlicher Kompetenzen.

Verallgemeinerbarkeit

Wie bereits erwähnt, lässt sich das Konzept ohne Weiteres auf andere Disziplinen übertragen. Fachspezifische Bedarfe bzgl. der überfachlichen Kompetenzen könnten wie in hier vorgestellt zu Beginn der Konzeptentwicklung erfasst, das Konzept dann entsprechend darauf zugeschnitten werden.