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Kerstin Mayrberger (Hrsg.) et al.: Vernetzt und entgrenzt – Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien. Jahrbuch Medienpädagogik 13.

Rezensent:

Dirk Jahn, FBZHL

Originalliteratur:

Mayrberger, Kerstin (Hrsg.); Fromme, Johannes (Hrsg.); Grell, Petra (Hrsg.); Hug, Theo (Hrsg.): Vernetzt und entgrenzt – Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien. Jahrbuch Medienpädagogik 13. Wiesbaden (Springer Verlag) 2016, ISBN 978-3658164317, 248 Seiten, EUR 44,99.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 70. Erg.-Lfg. August 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


In der neuen Ausgabe des Sammelbandes aus der Reihe „Jahrbuch Medienpädagogik“ beschäftigen sich eine Vielzahl an deutschsprachigen, renommierten MedienwissenschaftlerInnen und BildungsforscherInnen mit der Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien. Besonders nehmen die Autorinnen und Autoren dabei die Phänomene der Vernetzung und Entgrenzung in den Fokus, die das Lehren und Lernen mit digitalen Medien immer stärker zur Folge haben. Die insgesamt 14 Beiträge sind nach drei Kapiteln gegliedert: Nach den theoretischen und konzeptionellen Zugängen (Kapitel I.) folgt der Gestaltungsraum Schule (einschließlich frühkindlicher Bildung), gefolgt von Beiträgen zum Gestaltungsraum Hochschule (Kapitel III.). Zielgruppen des Buches sind neben Lehrenden und Studierenden aus dem Bereich der Medienpädagogik auch alle medienpädagogisch Tätigen aus dem schulischen, hochschulischen und betrieblichen Kontext. Aufgrund der Vielfalt der Beiträge können hier nur ein paar Beispiele aus den drei Abteilungen kurz vorgestellt werden.

Im theoretisch-konzeptionellen Teil des Buches setzt sich Michael Kerres eingangs mit der Sprache auseinander, mit der aktuell über das Lehren und Lernen mit digitalen Medien gesprochen wird. Besonders der weit verbreiteten Raum-Metapher (z. B. in „virtueller Lern-Raum“) geht er auf die Spur und zeigt, dass das Denken in Räumen zu kurz greift, um seinen Gegenstand adäquat zu beschreiben. Deswegen führt er das Bild des informationellen Ökosystems ein, das dem komplexen und dynamischen Zusammenspiel der verschiedenen Einflussgrößen beim Lehren und Lernen mit digitalen Medien besser gerecht werden kann. Judith Seipold greift einen ähnlichen Gedankengang auf und stellt eine erste Version eines „Ökologiemodells der Aneignung“ vor, das auf ein Lernverständnis abhebt, welches von der Eigenart der Lernenden, ihren miteinander verwobenen Interaktionen, Ressourcen und den vorliegenden Strukturen geprägt wird. Im Gestaltungsraum Schule zeigt der praxisorientierte Beitrag von Heinz Moser und Klaus Rummler, wie „außerschulisches Lernen“ mit Smartphones gelingend gestaltet werden kann: Im Projekt VIBES ziehen Jugendliche als „Berufswahlreporter“ los und erstellen mit ihren Smartphones eine multimediale Geschichte zu ihren Gedanken bezüglich eines für sie geeigneten Berufes. Wie digitale Lernmaterialien und die dazugehörige Lernplattform barrierefrei gestaltet werden sollten, veranschaulicht Ingo Bosse am Beispiel des multimedialen Gemeinschaftsprojektes „Planet Schule“, einer digitalen Plattform, die in erster Linie für die Unterrichtsplanung von Lehrern und Lehrerinnen geeignetes Material bereitstellt, sich aber auch an Schüler und Schülerinnen richtet. Der Autor arbeitet dafür anhand einer eigenen Untersuchung sieben relevante Gestaltungsprinzipien heraus, an denen sich digitale Lehr-Lernangebote orientieren sollten. Im Bereich des Gestaltungsraums Hochschule untersuchen Kathrin Galley, Isabell Mühlich, Patrick Bettinger und Kerstin Mayrberger, wie Studierende Tablets im Studienalltag nutzen und welche vielfältigen, positiven wie negativen Entgrenzungs- und Vernetzungserfahrungen sie dabei machen. In der Studie von Kai Kaspar, Sandra Aßmann und Daniel Korath treten Studierende als GestalterInnen einer kollektiven Lernumgebung auf, die sie sich zur individuellen Lernunterstützung mit Ilias einrichten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse machen deutlich wie pädagogisch sinnvoll es sein kann, Studierende als Mitgestalter in Lehr-Lernsettings einzubeziehen. Daniel Rode und Martin Stern berichten aus einer Art phänomenologischer Perspektive, wie sich der Medienkompetenzerwerb im Tanzunterricht vollzieht, wenn Mitstudierende ihre Kommilitonen bei angeleiteten Tanzübungen filmen und daraus didaktische Videos erstellen. Durch die Herangehensweise fallen dabei auch interessante Gedanken zum Konzept der Medienkompetenz ab, z. B. dass sie als kontextabhängige, vom Kollektiv geprägte Mitspielkompetenz verstanden werden kann.

Obwohl der Sammelband wissenschaftlich angelegt ist, sind die meisten Aufsätze flüssig lesbar und zudem praxisorientiert. Die erfrischenden, eher ungewöhnlichen Blickwinkel und empirischen Zugänge, mit denen sich einige der Autoren und Autorinnen dem Gegenstand annähern, bringen zudem interessante Aspekte zur Praxis und Theorie des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien zu Tage. Sie regen zum Nachdenken über Grundsätzliches in diesem Zusammenhang an, z. B. über implizite Annahmen, mit denen wir uns das Lehren und Lernen erschließen.