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Gerhard Stitz: Multiplikatorische Fortbildungen mit E-Learning-Unterstützung

Rezensent:

Dirk Jahn, FBZHL

Originalliteratur:

Stitz, Gerhard: Multiplikatorische Fortbildungen mit E-Learning-Unterstützung. Berlin (epubli) 2017, ISBN 9783741882951, 292 Seiten, EUR 19,50.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 71. Erg.-Lfg. Oktober 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


Herr Müller, bitte melden Sie sich zeitnah bei dieser wichtigen Schulung an und wenn Sie wieder zurück sind, geben sie Ihr Wissen rasch an das Team weiter!

Schon aufgrund von ökonomischen Vorteilen erfreut sich das „Multiplikatorsystem“ in Betrieben, Schulen oder an Universitäten großer Beliebtheit. Ausgewähltes Personal bildet sich fort und wird dann selbst zum Fortbildner für die „daheimgebliebenen“ Kollegen und Kolleginnen. Doch so einfach die Gleichung klingt, so voraussetzungsvoll und anspruchsvoll ist die tatsächliche Umsetzung eines Multiplikatorenansatzes. Am Beispiel von Herrn Müller könnte bereits der Zwang zur Teilnahme dazu führen, dass nicht viel bei ihm und später bei den anderen „hängenbleiben“ wird.

Obwohl diese Art der Fortbildungen in der Praxis weit verbreitet sind, gibt es nur relativ wenig Forschungsarbeiten dazu, wie Multiplikatorenkonzepte funktionieren, welche Eigenheiten sie aufweisen oder wie sie durch digitale Medien und Werkzeuge unterstützt werden können.

Diesen Fragen widmet sich der Wirtschaftspädagoge und E-Learning-Experte Gerhard Stitz in seiner Dissertation. Er stellt sich der Aufgabe, ein idealtypisches Prozessmodell von multiplikatorischen Fortbildungen für den schulischen Kontext zu erarbeiten, welches Gelingensbedingungen und Gestaltungsprinzipien beherzigt und insbesondere die Unterstützungsmöglichkeiten durch digitale Werkzeuge praktisch aufzeigt. Das Buch richtet sich deshalb besonders an pädagogische Professionals, die an der Gestaltung und/oder Umsetzung von multiplikatorischen Fortbildungen beteiligt sind oder es sein werden– und all dies nicht nur im schulischen Kontext, da viele der gewonnenen Erkenntnisse auch auf weitere Bereiche übertragbar sind.

Im ersten Teil des Buches diskutiert der Autor alle wichtigen Begriffe und Konzepte zur Thematik. Neben einer Schärfung des Multiplikatorbegriffs oder dem Rollenverständnis von Multiplikatoren als Change Agents, stehen hier etwa auch Auseinandersetzungen mit dem Praxistransfer bei Fortbildungen oder die Anforderungen und Qualitätsmerkmale von Multiplikatorenkonzepten im Fokus. Eine Einführung zu den relevanten digitalen Anwendungen zur Unterstützung von Multiplikatorenansätzen wie z. B. E-Portfolios oder Lernplattformen, schließt den theoretischen Teil ab.

Im anschließenden empirischen Teil erarbeitet der Autor dann sukzessive anhand von Expertenworkshops und einer Erprobung eines Blended-Learning-Ansatzes zur Förderung von Multiplikatoren ein griffiges, fünfphasiges Prozessmodell, das mit digitalen Unterstützungsmöglichkeiten angereichert wird. Beispielsweise verdeutlicht Gerhard Stitz, wie Webquests, Templates oder Lernplattformen in den einzelnen Phasen zum Einsatz kommen könnten. Im Anhang des Buches bietet er abschließend kompakte und praxisorientierte Zusammenfassungen und Visualisierungen an.

Durch die Lektüre des Buches wird deutlich, wie komplex und anspruchsvoll die gelingende Planung und Durchführung von Multiplikatorenkonzepten sein kann und wie viel von den ausgewählten Akteuren, aber auch von der Prozessqualität und den angebotenen (digitalen) Hilfestellungen abhängt. Gerhard Stitz macht deutlich, worauf es ankommt und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Praxis. Dies tut er in klarer und verständlicher Weise, wenngleich die Ausführungen zum wissenschaftlichen Arbeiten oder auch die diffizilen Prozessabbildungen so manchen eiligen Leser abschrecken dürften. Gerade aber GestalterInnen von Multiplikatorenprogrammen sei dieses Werk ans Herz gelegt. Dann  können auch Herr Müller und sein Team profitieren.