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Otto Hostettler: Darknet: Die Schattenwelt des Internets

Rezensent:

Dirk Jahn, FBZHL

Originalliteratur:

Hostettler, Otto. Darknet: Die Schattenwelt des Internets.  (Frankfurter Allgemeine Buch) 2017, ISBN 978-3956012013, 160 Seiten, EUR 29,95.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 74. Erg.-Lfg. April 2018 www.personalwirtschaft.de/elearning


Das Darknet taucht immer wieder in der Medienberichterstattung auf und zumeist sind die Anlässe dafür erschreckend: Waffen-, Drogen- und Medikamentenhandel, Vertrieb von Schadsoftware und Kinder-Pornographie oder Verkauf von sensiblen persönlichen Daten – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Was sich hinter Begriffen wie Darknet, Bitcoin oder Tor in diesem Zusammenhang aber verbirgt, wird meist nur unzureichend erläutert. So entsteht ein düsteres Bild einer geheimnisvollen, digitalen Sphäre, in der sich nur Verbrecher, Süchtige oder Fanatiker zu tummeln scheinen – ein Markplatz der unbegrenzten kriminellen Möglichkeiten.

Der investigative Journalist Otto Hostettler hat deshalb im Rahmen seiner Abschlussarbeit für den Master in Economic Crime Investigation den Versuch unternommen, Licht in die ominöse Sphäre des Darknets zu bringen und über seine Funktionsweisen, Struktur und Gepflogenheiten aufzuklären. Über zwei Jahre hat er dafür recherchiert, Testkäufe von Medikamenten wie Ritalin oder Cannabis auf dubiosen Plattformen durchgeführt oder Online-Dealer anonym über einen längeren Zeitraum interviewt. Herausgekommen ist dabei ein Buch, das fundierte Einblicke in das Darknet und seine (technischen) Funktionsweisen gewährt, kriminelle Strukturen und Praktiken offenlegt und dringlichen gesellschaftlichen Handlungsbedarf aufzeigt.

Bereits die ersten beiden Seiten des Buches haben einen enormen Informationsgehalt. In einer Abbildung wird anschaulich dargestellt, wie das Darknet prinzipiell funktioniert: Mit dem Browser Tor, der extra dazu entwickelt wurde, keine Spuren beim Surfen zu hinterlassen, ist es möglich, die verdeckten Seiten im Darknet aufzurufen. Kennzeichnend ist dabei die Endung „.onion“ in der Domain, die auf die zwiebelartige Verschlüsselung hindeutet. Zur Orientierung kommt man jedoch mit herkömmlichen Suchmaschinen in diesem Teil des Internets nicht weit. Deshalb werden auch die geeigneten Suchmaschinen in dem Schaubild genannt. Hat man seine geheime Seite gefunden und die gewünschte (illegale) Dienstleistung ausgesucht, erfolgt die Zahlung. Mit sogenannten Bitcoins, einer unabhängigen und sicheren Kryptowährung, können dann verschlüsselte Transkationen auf riesigen und voll funktionsfähigen Markplätzen mit illegalen Angeboten durchgeführt werden.

Was in der Abbildung nur angerissen wurde, vertieft der Autor in den folgenden Kapiteln. Hostettler referiert aber nicht nur die technischen Aspekte des Darknets, sondern er erzählt auch dessen Geschichte: Der Browser „Tor“ wurde beispielsweise mit staatlichen Geldern wissenschaftlich in Cambridge entwickelt, mit dem Ziel, ein unabhängiges, sicheres und anonymes Vehikel für das Internet zu erschaffen, welches gerade in repressiven Systemen Bürger oder Journalisten schützen sollte. Doch neben dem gesellschaftlichen Nutzen wächst die Schattenseite der Entwicklungen. Deshalb legt Hostettler den Schwerpunkt seiner Recherche auf die massive und schwer bekämpfbare Onlinekriminalität, die die Werkzeuge des Darknets ermöglicht haben. Zudem diskutiert er die Ermittlungsbemühungen mit dem Fokus auf die Schweiz. Erschreckend wird dabei deutlich, welches Ausmaß der Handel von illegalen Substanzen, Services, Daten usw. bereits erreicht hat und wie „kundenorientiert“, professionell und komfortabel die kriminellen Geschäfte mittlerweile ablaufen. Hinzu kommt, dass sich die illegalen Transaktionen relativ einfach technisch umsetzen lassen. Die hohe Sicherheit und Anonymität der Verschlüsselungsdienste machen es zudem für Ermittler immer schwieriger, die Täter und User ausfindig zu machen und zu überführen.

Fazit: Das informative Buch lässt sich flüssig lesen und gibt einen fundierten Einblick in die Thematik. Besonders aufschlussreich sind die Erfahrungen und Erkenntnisse des Autors, die er mit seinen Testkäufen und Interviews gewinnen konnte. Trotz so mancher inhaltlichen Wiederholung und einer starken Ausrichtung auf die Situation in der Schweiz ist das Buch auch für deutsche Leser und Leserinnen sehr zu empfehlen. Es wäre wünschenswert, wenn es gesellschaftliche Wissenslücken schließen und einen kritischen und öffentlichen Diskurs weiter anregen könnte.