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Förderung der Informationskompetenz Studierender durch die Integration fachlicher und bibliothekarischer Lehrangebote

Kurzinfos_ZiLL_18-2014_infokompetenz

Aus der Reihe: Schriften zur Hochschuldidaktik. Beiträge und Empfehlungen des Fortbildungszentrums Hochschullehre der Friedrich-­Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Elmar Drieschner, Detlef Gaus und Rainer Pörzgen

Quelle

Drieschner, E., Gaus, D., & Pörzgen, R. (2007). Informationskompetenz in den Bildungswissenschaften. Neue Wege der Integration fachlicher und bibliothekarischer Lehrangebote an der Universität Lüneburg. Bibliotheksdienst, 41(4), 442-451.

Problembeschreibung / Zieldefinition

Die Komplexität der Recherche in immer ausgefeilteren Datenbanken der Bibliothek ist für Studierende eine große Herausforderung. Dazu ist Informationskompetenz (engl. = „Information Literacy“) gefragt, d. h. die Fähigkeit, „…problem­bezogen Informationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln, zu evaluieren und gezielt zu nutzen“ (Drieschner et al., 2007, S. 446). Die eigene Informationskompetenz aufzubauen, die es ermöglicht, sich in verschiedenen Datenbanken und Katalogen zurechtzufinden und sich zu informieren sowie Forschungsergebnisse zu recherchieren, ist für Studierende nur schwierig selbstständig erlernbar.

Um die Informationskompetenz der Studierenden systematisch aufzubauen und zu fördern, wurde im vorliegenden Beispiel an der Universität Lüneburg in den Bildungswissenschaften das Modul „Information Literacy“ entwickelt, in dem fachwissenschaftliche und bibliothekarische Lehrveranstaltungen miteinander verzahnt werden. Ziel der Kombination der beiden Lehrangebote ist es einerseits, die Studierenden in die Lage zu versetzen, erfolgreich zu einem Thema zu recherchieren und andererseits, fachwissenschaftliche Fragestellungen durch das Recherchieren von Informationen zu beantworten.

Herangehensweise / Lösungsansatz

Das Modul „Information Literacy“ wurde im Kontext des Selbstlernens bzw. lebenslangen Lernens mit 30 Präsenzstunden für die erste Moduleinheit konzipiert. Die beiden Schwerpunkte – bibliothekarische und bildungswissenschaftliche, bzw. wissenschaftspropädeutische Kompetenzen – sind als aufeinander aufbauende und sich gegenseitig bedingende Modulinhalte etabliert.

Die Implementation des Moduls als Blockseminar erwies sich bei der ersten Erprobung als ungünstig für die Vermittlung, deswegen wurde das Modul so modifiziert, dass es nun eine fortlaufende Veranstaltung darstellt. Der resultierende Ablauf beinhaltet acht wöchentliche Veranstaltungen, vier Betreuungssitzungen und eine abschließende Blockveranstaltung zur Ergebnispräsentation. Der Blocktermin ist zugleich zur Evaluation der Kompetenzen der Studierenden gedacht.

Abbildung18

Ziel des bibliothekarischen Lehrangebots ist es, die Studierenden in die Lage zu versetzen, Recherchethemen darzustellen (um was geht es?), die verwendeten Begriffe zu klären (sind andere Formulierungen möglich, gibt es z.B. Synonyme?) und diese in Datenbankabfragen umzuformulieren. Ein Beispielthema könnte sein „Anthropologische Grundlagen der Erziehung im 18. Jahrhundert“. Die möglichen Suchbegriffe könnten hier Anthropologie, Erziehung und 18. Jahrhundert sein; mögliche Synonyme zu den Begriffen sind Menschenbild, Bild des Menschen, Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Aufklärung.

Im Rahmen des bibliothekarischen Angebots werden in den ersten Sitzungen die notwendigen Kenntnisse für die Durchführung von Literaturrecherchen vermittelt, die dann in den folgenden Sitzungen praktisch umgesetzt werden. Die Dokumentation des Rechercheprozesses der Studierenden erfolgt in Form eines Portfolios.

Der fachwissenschaftliche Kompetenzerwerb, also die Entwicklung der Fähigkeit, fachwissenschaftliche Probleme durch die Ermittlung, Bewertung und gezielte Nutzung von Informationen zu lösen, erfolgt im Rahmen einer Projektarbeit. Dabei werden Themenstellungen zur Auswahl gegeben, die sich an dem für alle Studierenden verpflichteten fachspezifischen Grundmodul orientieren. Im vorliegenden Beispiel konnten Themen im Rahmen der Grundbegriffe der Bildungswissenschaft und der Felder des pädagogischen Handelns gewählt werden, z.B. Erziehung, Bildung oder Sozialisation sowie Lernen und Lehren. Die Aufgaben der Projektarbeit sind auf die Herstellung von Zusammenhängen, Analogien und Differenzen verschiedener bildungswissenschaftlicher Theorien und Konzepte bezogen. Sie können nur mit Hilfe von Fachliteratur beantwortet werden, die zunächst durch die Operationalisierung von Suchbegriffen und die Anwendung von Recherchestrategien ermittelt werden muss.

Die Projektaufgabe kann als vollständiger Weg eines wissenschaftlichen Problemlöseprozesses verstanden werden: ausgehend vom Erkennen des eigenen Informationsbedarfs zu einer Fragestellung, über die gezielte Recherche nach Informationen bis hin zur fundierten schriftlichen Beantwortung der Fragestellung im Rahmen der Projektarbeit.

Aufwand

Damit ein dem Modul zur Informationskompetenz der Universität Lüneburg äquivalentes Modell angeboten werden kann, ist die erfolgreiche Zusammenarbeit eines in der Pädagogik erfahrenen Bibliotheksmitarbeitenden und eines Mitarbeitenden aus dem Fach Pädagogik erforderlich, der über bibliothekarisches Wissen verfügt. Der Aufwand ist nicht allein auf die Durchführung der Lehrveranstaltungen im Modul Informationskompetenz beschränkt, sondern erfordert auch darüber hinaus kontinuierliche Evaluation und Absprachen. Die Autoren selbst geben zu bedenken, dass die Arbeitsintensität und der Arbeitszeitumfang nicht zu unterschätzen seien (S. 451). Dennoch beurteilen Sie das Modul als sinnvolle Ergänzung des Bachelor-Studiengangs Bildungswissenschaften.

Art der Evaluation, Erfolgsfaktoren und Resultate

In dem vorliegenden Beispiel zeigte sich, dass die Informationskompetenz der Studierenden sowohl aus bibliothekarischer als auch aus fachlicher Perspektive seit der Einführung des beschriebenen Moduls angestiegen ist.

Empfehlungen

Da die Informationskompetenz eine für Studierende wichtige Kompetenz ist, die sie in ihrem ganzen Studium benötigen, weist die Idee der Integration bibliothekarischer Angebote in die Lehre deutliches Potential zur Steigerung der Qualität der Lehre auf. Auch wenn dies nicht in einem eigenständigen Modul geschieht wie im vorliegenden Beispiel, besteht die Möglichkeit, zu Beginn des Semesters eine Einführung in die wichtigsten fachspezifischen Recherchestrategien in Kooperation mit Personal der Bibliothek einzuplanen.

Verallgemeinerbarkeit

Die Integration fachlicher und bibliothekarischer Lehrangebote kann auf verschiedene Studiengänge übertragen werden. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass sowohl der Dozierende als auch das Personal der Bibliothek an einer Zusammenarbeit interessiert sind.