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Hochschuldidaktische Forschung und Entwicklung

Forschungsansatz: Design-Based Research

Um die unterschiedlichen Problemstellungen fundiert adressieren zu können und dabei ein theoretisches Verständnis über das Lehren und Lernen in dem jeweiligen Kontext gewinnen zu können, entwickelt, evaluiert und forschen wir nach Gesichtspunkten der Entwicklungsforschung (auch Design-Based Research genannt).

Entwicklungsforschung soll es ermöglichen, einen exemplarischen Beitrag zur Lösung eines didaktischen Problems zu leisten und dadurch „nützliche“ Theorien hervorzubringen, die zwar stets kontextgebunden, aber für eine übergreifende Praxis relevant sind. Fragen wie “Was funktioniert wo, wann, für wen und warum?” stehen im Zentrum des Interesses.

Wichtige Prinzipien dieser Art der Forschung sind Kriterien wie Neuheit, Nützlichkeit, nachhaltige Innovation, zyklische Verbesserung,  Intervention in ungefilterter Praxis, (interdisziplinäre) Kooperation oder die Aufhebung von klassischen Rollen innerhalb der Forschung (vgl. Jahn & Kenner, 2018). Die Kernprinzipien der Entwicklungsforschung sind nach Fishman et al. (2013):

  • ein Fokus auf relevante Praxisprobleme unter Berücksichtigung der multiplen Sichtweisen der jeweils daran beteiligten Akteure.
  • eine Verpflichtung zur gemeinsamen, kollaborativen und iterativen Entwicklung eines didaktischen Designs bzw. einer Intervention.
  • die gezielte Beschäftigung mit der Erzeugung von Theorien und Wissen im Hinblick auf Lehren und Lernen und in Bezug auf die Implementierung der Intervention durch systematische Forschung.
  • die gezielte Auseinandersetzung mit der Frage, wie Kapazitäten geschaffen werden können, um die Praxis stetig und nachhaltig verändern zu können.

Die genannten Aspekte sind für uns als etwa Einrichtung zentral, wenn wir zielgruppen-, fach- oder fakulätsspezifische Angebote für entwickeln und erproben.

Die folgende Abbildung veranschaulicht relevante Schritte bei der Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Maßnahmen:

Generisches Modell der Entwicklungsforschung (in Anlehnung an McKenney & Reeves 2012; Reinmann, 2014)

  1. Am Anfang des Entwicklungsforschungsprozesses steht die tiefgehende Analyse und Definition des praktischen Problems und des spezifischen Kontextes aus verschiedenen Perspektiven. Gleichzeitig wird der Forschungsstand zum Thema gesichtet und aufbereitet. Durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Veröffentlichungen holen wir uns wichtige Impulse für innovative didaktische Designs und Entwicklungsprinzipien (siehe dazu z. B. die Buchbesprechungen in der Infothek Lehre).
  2. Die Entwicklung der Intervention wird auf den Zielkontext abgestimmt. Es erfolgt ein stetiger Rekurs auf die Ergebnisse der Kontextanalyse. Der Lösungsentwurf wird gedanklich durchgespielt, gleichzeitig erfolgen Reflexionen des Prozessverlaufes.
  3. Anschließend wird die Intervention mehrmalig erprobt, evaluiert und reflektiert. Bei jeder Itereration wir das Vorgehen auf Basis der neuen Erkenntnisse verfeinert.
  4. Der Prozess endet, wenn eine zufriedenstellende Lösung für das Ausgangsproblem gefunden ist und ein differenziertes, theoretisches Verständnis dabei gewonnen wurde. Die mehrmalige Erprobung der Intervention geht mit der Ausdifferenzierung der Gestaltungsprinzipien und des theoretischen Verständnisses einher.

Bei der Erprobung und Reflexion von Intervention setzen wir auf ein hohes Maß an methodischer Offenheit, um Triangulation zu ermöglichen. Sämtliche Methoden aus dem Instrumentarium der empirischen Sozialforschung können zum Einsatz kommen. In diesem Prozess werden auch theoretische bzw. gestalterische Schlüsselfaktoren identifiziert, die für den Erfolg bzw. Misserfolg der Intervention maßgebend sind. Der Prozess endet, wenn eine zufriedenstellende Lösung für das Ausgangsproblem gefunden ist und ein differenziertes, theoretisches Verständnis dabei gewonnen wurde.

Bei der Konstruktion und auch bei der Erprobung arbeiten wir, z.B. im fach- oder fakulätsspezifische Angebot, eng und auf Augenhöhe mit den relevanten Partnern zusammen. Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von DBR in unserer Praxis ist das Scholarship of Teaching and Learning.

Fishman, B. J. (Hrsg.); Penuel, W. R. (Hrsg.); Allen, A. R. (Hrsg.); Cheng, B. H. (Hrsg.) (2013): Design-Based Implementation Research: Theories, Methods, and Exemplars. National Society for the Study of Education. The 112th Yearbook. Issue 2. New York: Columbia University.

Jahn, D. & Kenner, A. (2018). Hochschuldidaktische Entwicklungsforschung in Serviceeinrichtungen. In B. Berendt, A. Fleischmann, N. Schaper, B. Szczyrba & J. Wildt (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre (Bd. 85, S. 1–22). Berlin: DUZ Medienhaus.

McKenney, S. E. & Reeves, T. C. (2012). Conducting educational design research. New York: Routledge.

Reinmann, G. (2014). Welchen Stellenwert hat die Entwicklung im Kontext von Design Research? Wie wird Entwicklung zu einem wissenschaftlichen Akt? In D. Euler & P. F. E. Sloane (Hrsg.), Design-Based Research (Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Bd. 27, 1. Aufl., S. 63-78). Stuttgart: Steiner, Franz.