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Martin Eder: Digitale Evolution: Wie die digitalisierte Ökonomie unser Leben, Arbeiten und Miteinander verändern wird

Rezensentin:

Ramona Zacherl, FBZHL

Originalliteratur:

Martin Eder: Digitale Evolution: Wie die digitalisierte Ökonomie unser Leben, Arbeiten und Miteinander verändern wird. Wiesbaden, Springer Fachmedien 2017, ISBN 978-3658162849, 375 Seiten, EUR 24,99.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 77. Erg.-Lfg. Oktober 2018 www.personalwirtschaft.de/elearning


Charles Darwins Evolutionstheorie wurde häufig fehlinterpretiert und missverstanden. Seine berühmte Theorie zur Entstehung der Arten – auch bekannt als „Survival of the Fittest“ – postuliert nicht, dass sich zwangsläufig die stärkste Spezies das Überleben sichern kann. Langfristig durchsetzen wird sich vielmehr jene, die sich am besten an die äußeren Einflüsse und Bedingungen des Lebensraums anzupassen vermag. Der digitale Darwinismus überträgt dieses Gedankengut auf die Welt der Wirtschaft und erkennt Parallelen, die Vorhersagen darüber erlauben sollen, welche Unternehmen in diesem Struggle for Existence als Gewinner hervorgehen. Dies werden auf Dauer nicht die „stärksten“ Unternehmen sein, sondern stattdessen solche, die sich in Zeiten des Umbruchs nicht vor Veränderung scheuen. Und dabei auch bereit sind, vermeintliche Konstanten wie das jeweilige Produktsegment, die Branche, die Unternehmenskultur oder auch die Führungsstruktur radikal neu denken.

Der Digitalstratege und Innovationskultur-Gestalter Martin Eder stützt sich auf diese Thesen und ruft als Konsequenz daraus die digitale Evolution aus, die weit mehr als eine erneute (Industrie-)Revolution zu sein scheint. GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple), das mächtigste Quartett der Welt, ist das wohl beste Beispiel dafür. Der Siegeszug dieser vier globalen Giganten ist zu einem nicht unerheblichen Teil auf ihre blitzschnelle Reaktions- und Anpassungsfähigkeit zurückzuführen: Egal ob die Veränderungen auf technologischen Innovationen, auf Wünschen der IASÜ-(= Ich, Alles, Sofort und Überall)-Kundschaft oder auf der allgemeinen Forderung nach smarten Prozessen und Geschäftsmodellen basieren. Die Big Four gelten als Machtmonopol und etliche Start-Ups orientieren sich an diesen Konzernen, die ihren unfassbaren Erfolg anscheinend mühelos mit einer wertschätzenden Organisationskultur und flachen Führungshierarchien verbinden können.

Es fällt sofort auf, dass der Autor enorm viel Arbeits- und Rechercheaufwand investiert hat, um die Aussagen und Thesen der populärwissenschaftlichen Veröffentlichung zu belegen. Jedes einzelne Kapitel kann so mit einem ausführlichen Quellennachweis punkten und zugleich beweisen, dass Eder sich aus den unterschiedlichsten Perspektiven heraus mit der digitalisierten Ökonomie auseinandergesetzt hat. Die naheliegende ökonomische Argumentationsweise wird somit beispielsweise durch philosophische, soziologische, psychologische und die bereits angesprochenen biologischen Ansätze ergänzt. Kritisch angemerkt werden könnte lediglich, dass sich beim Lesen gelegentlich die Frage aufdrängt, ob wirklich alle dargelegten Theorien einen Mehrwert liefern. Zur Entschlackung des Ganzen hätte man guten Gewissens an der einen oder anderen Stelle auf die Erwähnung des x-ten Beispiels verzichten können, um so den roten Faden klarer herauszustellen und dennoch keine allzu großen inhaltlichen Abstriche in Kauf nehmen zu müssen.

Zielgruppe der Publikation dürften Personen sein, die mit dem Phänomen der digitalisierten Sharing-Economy bereits vertraut sind und sich konkrete Handlungsempfehlungen für einen effizienten Methodeneinsatz (z.B. Design Thinking oder Hybrid Thinking) wünschen. Denn die Monografie strotzt nur so vor hippen Anglizismen, die unmittelbar der Welt von ManagerInnen, UnternehmensberaterInnen oder Start-Up-GründerInnen entnommen sein dürften. Schlagworte wie „UBERisierung“, „Wicked Problems“ oder „Bunch-of-hipsters-in-a-garage-Syndrom“ führen nur allzu oft vor Augen, dass die rasante Beschleunigung längst auch Besitz von unserer Sprache ergriffen hat und vermitteln womöglich weniger versierten Leserinnen und Lesern bereits von Beginn an das Gefühl, zu den im Buch angesprochenen digitalen Analphabeten zu gehören.