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Harald Geißler und Maren Metz: E-Coaching und Online-Beratung: Formate, Konzepte, Diskussionen.

Rezensent: Dirk Jahn

Originalliteratur: Geißler, Harald;Metz, Maren: E-Coaching und Online-Beratung: Formate, Konzepte, Diskussionen. München (VS Verlag für Sozialwissenschaften) 2012, ISBN 978-3531186344, 388 Seiten, EUR 39,95.

Das „E-“ von „E-Learning“ verschwindet zusehend beim Sprachgebrauch. Das Lernen mit digitalen Medien ist mehr oder weniger „alltäglich“ geworden. Alltäglich in dem Sinne, dass zumindest ansatzweise digitale Medien in traditionelle Lehr-Lernsituationen als feste Größe mit eingebaut werden.

Beim E-Coaching hingegen wird das „E-“ oftmals  noch als ein Fremdkörper wahrgenommen. E-Coaching erscheint in seinen vielen Varianten als etwas „Exotisches“, dem teilweise mit Skepsis, teilweise mit Vorurteilen aber auch mit großer Neugierde in der Praxis begegnet wird. Dennoch sind E-Coaching und Onlineberatung in Deutschland auf dem Vormarsch – nicht nur bei beruflichen Fragen und Problemen im Rahmen der Professionalisierung von Führungskräften, sondern auch im Rahmen sämtlicher Lebensbereiche, Partnerschaft und Seelsorge eingeschlossen.

Der von Harald Geißler und Maren Metz – beide durch Praxis und Forschung ausgewiesene Experten für (E-)Coaching – herausgegebene Sammelband soll einen systematischen Überblick über das breite und vielfältige Feld der virtuellen Coaching- und Beratungs-Formate bieten. Die jeweiligen Besonderheiten der verschiedenen Formate und ihre unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten sollen dabei herausgestellt werden. Weiterhin soll der Sammelband zu einer Klärung führen, was den zum Teil höchst unterschiedlichen „E-“Ansätzen im Bereich von Business-Coachings und psychosozialer Beratung gemeinsam ist und vor allem, was sie voneinander lernen können.

Das Werk richtet sich somit in erster Linie an Personalentwickler, betriebliche Entscheidungsträger und alle weiteren Personen, die sich ein Bild über die Möglichkeiten des E-Coachings bzw. der Onlineberatung machen wollen und/oder diese in ihrer Institution oder dem Betrieb einsetzen bzw. weiter ausbauen möchten.

Das erste Teil des  Buches ist anhand der Möglichkeiten der Integration asynchroner und synchroner, digitaler Werkzeuge in das Coaching/Beratungsformat gegliedert, beginnend mit der Diskussion traditioneller fernmündlicher Kommunikation via Telefon, die dann auch unter Einsatz von webbasierten Zusatztools beleuchtet wird. Dazu gehören auch Avatar-basierte Beratung und Coaching in 3 D. Weiterhin werden Formate der webbasiert-textlichen Basiskommunikation besprochen, die auch wieder entweder mit oder ohne zusätzliche webbasierte Zusatztools zum Einsatz kommen. Letzteres ist beispielsweise bei einem Portal für Partnerschaft der Fall. Abschließend werden Formate der multimedialen Basiskommunikation besprochen, wie etwa Peer-Coaching im Kontext der Lehrerausbildung.

Im zweiten Teil und weitaus kleineren Teil des Buches werden format- und länderübergreifende Analysen und Reflexionen angestellt, etwa zur Entwicklung des deutschen Coachingmarktes oder aber auch dazu, welche Rolle (E-)Coaching in Japan spielt, unter Beachtung der für westliche Menschen manchmal fremd anmutenden Kultur der Nicht-Reflexion und Hierarchieorientierung.

Die unterschiedlichen Aufsätze vereinen anschaulich Theorie und Praxis, indem sowohl die Seite der Forschung als auch die der Praxis durch interessante Vertreter und Projekte zur Sprache kommen. Die meisten der Aufsätze sind interessant und inhaltlich ergiebig. Es werden z. B. einige interessante und anregende Methoden und Theorien zu den verschiedenen Kommunikationsformen dargestellt.

Nur an wenigen Stellen stellt sich das Gefühl ein, einer unaufdringlichen Schleichwerbung ausgesetzt zu sein. Das ist dann der Fall, wenn Praktiker ihre eigenen Coachingansätze zu sehr über den Klee loben. Das ist jedoch die Ausnahme. Ausnahmslos wird bei der Lektüre aber deutlich, wie facettenreich E-Coaching und –beratung sein kann, welche Vorteile, aber auch welche Nachteile durch die verschiedenen medialen Zugänge und deren Kombinationen entstehen und wie vielfältig Coaching als Konzept hierbei gedacht wird: als ergebnis- und prozessoffener Vorgang der Anregung gezielter Selbstreflexion auf dem einen Ende des Kontinuums und auf dem anderen als hochgradig strukturierter, ergebnisgeleiteter Prozess der Beratung.