Links zu weiteren Portalen

Seiteninterne Suche

FBZHL aktuell

John Erpenbeck & Werner Sauter: Wissen, Werte und Kompetenzen in der Mitarbeiterentwicklung: Ohne Gefühl geht in der Bildung gar nichts

Rezensentin:
Alessandra Kenner, FBZHL

Originalliteratur:
Erpenbeck, John; Sauter, Werner: Wissen, Werte und Kompetenzen in der Mitarbeiterentwicklung: Ohne Gefühl geht in der Bildung gar nichts (essentials). Springer Gabler 2015, ISBN 3658099534, 48 Seiten, EUR 9,99.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 60. Erg.-Lfg. Dezember 2015, S. 247f. www.personalwirtschaft.de/elearning


Der Nürnberger Trichter oder das „Bulimie-Lernen“ – für Pädagogen, Ausbilder, Schüler und Studierende häufig immer noch leidige und überholte Begleiter bei der Vorstellung vom Lehren oder Lernen. Wo unterrichtet wird, findet sich teilweise noch immer der alte Geist des Fütterns von unverdautem Wissen, das dann schon irgendwie in die Köpfe der Lernenden gelangen wird. Auch Studierende berichten davon, sich Sach- und Fachwissen einfach hineinzustopfen und in der Prüfung unverarbeitet aufs Blatt zu bringen. Obwohl die Idee von der reinen Aneignung von Faktenwissen schon seit der Reformpädagogik und starken Gegenbewegungen in den 1970er Jahren als überholt gilt, findet sie sich immer noch in der betrieblichen, schulischen und universitären Bildung. Doch die Proteste werden lauter und die Kompetenzorientierung zieht ein in die Modulhandbücher, Lehrpläne und Curricula.

John Erpenbeck und Werner Sauter – beides Professoren, die sich insbesondere den Themen Kompetenzorientierung und E- bzw. Blended Learning widmen – erklären in „Wissen, Werte und Kompetenzen in der Mitarbeiterentwicklung: Ohne Gefühl geht in der Bildung gar nichts“, dass Wissen und Qualifikation an sich keine Kompetenzen sind, sondern die Basis darstellen, um Probleme in der Praxis selbstorganisiert zu lösen und effektiv zu handeln. Dabei vertreten sie die These, dass Kompetenzen jedoch erst dann erworben werden, wenn sie emotional durchdrungen werden – sei es durch Neugierde, Begeisterung oder Angst. Ziel der Autoren ist es nun, einen praxiserprobten Kreislauf des Lernens zu beschreiben. Weiter gehen sie ihrer Basishypothese auf den Grund, dass sich Web 2.0 Instrumente hervorragend zum Kompetenzaufbau eignen.

Das gerademal 48 Seiten starke Buch ist in zwei Kapitel aufgeteilt: Teil 1 widmet sich dem Thema Wissen und Kompetenz und umfasst vor allem die begriffliche Klärung und Abgrenzung der Schlagworte Wissen, Qualifizierung, Wissens- bzw. Informationsmanagement sowie Werte und Kompetenzen. Der zweite Teil stellt einen Kreislauf der Kompetenzentwicklung dar, der die Stufen Wissensaufbau, Qualifikation und Wissenstransfer in die Praxis umfasst und an dessen Ende die Kompetenzentwicklung steht. Abschließend befassen sich die Autoren mit der Frage nach Kompetenzentwicklungsmöglichkeiten durch das Netz und stellen einige Leitfragen zur individuellen Kompetenzentwicklung in der Praxis.

Der Nutzen und die Qualität des Buches hängt klar von der Zielsetzung der Leserschaft ab: Pädagogen, Dozenten, Personaler und Ausbilder mit wenig Zeit finden auf wenigen Seiten und sehr anschaulich die wichtigsten Begriffsdefinitionen rund um das Thema Kompetenzentwicklung. Der von Erpenbeck und Sauter dargelegte Kreislauf zum Kompetenzaufbau ist gut nachvollziehbar und lässt sich in die Praxis transferieren – beispielsweise beim Ausarbeiten von Curricula. Dazu benötigen die Leser kein tiefgehendes Vorwissen, sondern werden gut an den Gegenstand herangeführt. Umgekehrt werden Personen, die sich umfassend in das Thema Kompetenzen einarbeiten möchten, weniger auf ihre Kosten kommen. Auf die im Vorwort angekündigte Basishypothese, dass sich Web 2.0 Tools hervorragend zum Aufbau von Kompetenzen eignen, gehen die Autoren leider nur sehr knapp ein und listen oberflächlich eine Handvoll Instrumente. Auch Informationen zur didaktischen wie technischen Umsetzung bleiben aus. Etwas irreführend ist zudem der Titel: Mitarbeiterentwicklung und die Wichtigkeit von Emotionen beim Lernen stehen nicht wirklich im Zentrum des Buches.

Alles in allem ein gut lesbares Buch für eine breite Zielgruppe vom (Hochschul-)Lehrer, (Hochschul-)Didaktiker bis zum Personalentwickler, das das Thema Kompetenzentwicklung kurz und knackig aufbereitet.