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Matthias Klatt & Sabine Kollert: Lehre als Abenteuer: Anregungen für eine bessere Hochschulausbildung.

Rezensentin: Alessandra Kenner, FBZHL

Originalliteratur: Klatt, Matthias; Kollert, Sabine: Lehre als Abenteuer: Anregungen für eine bessere Hochschulausbildung. Campus Verlag 2012, ISBN 359339796X , 252 Seiten, EUR 19,90.

Quelle der Rezension: Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning, 57. Erg.-Lfg. Juni 2015, S. 231f. www.personalwirtschaft.de/elearning


 

Gute Hochschullehre wird heute von der Bildungspolitik, Verbänden, den Universitäten und Hochschuldidaktik-Zentren gefordert, gefördert und propagiert. Trotzdem ist vielen Lehrenden nicht klar, wodurch sich guter Unterricht, effiziente Beratung oder faires Prüfen an Universitäten auszeichnet – kurzum: was eigentlich gute Lehre ist.

Die Herausgeber Matthias Klatt und Sabine Kollert beantworten die Frage wie folgt: Lehre ist ein Abenteuer! Mal herausfordernd und spannend, mal beängstigend und zehrend, eher auf sich gestellt oder mit einem Team aus Kollegen bzw. Studierenden. Der Juniorprofessor für Öffentliches Recht, Europarecht, Völkerrecht sowie Rechtsphilosophie und die Privatdozentin für Slavistik vereinen in ihrem Sammelband 47 Essays von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen, mit denen sie Anregungen für eine bessere Hochschulausbildung geben möchten. Das Buch ist ein Projekt der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und richtet sich vor allem an Hochschullehrende.

Einleitend beschreibend die Herausgebenden eine „Gebrauchsanleitung“ für den Sammelband. Dabei arbeiten sie die Kontroversen zu Konjunktur und Krise guter Lehre heraus: Bologna versus Humboldt’sches Bildungsideal, mediale Vielfalt versus Edutainment, Freiheit versus Bürokratie in strukturierten Doktorandenprogrammen – zu diesen und vielen anderen Themen müssen sich Lehrende heute positionieren. Die folgenden Essays zeigen aus diesem Grund individuelle und persönliche Realisierungsmöglichkeiten guten Unterrichts an Hochschulen auf und sollen so Dozenten anregen, neugierig zu sein, Ideen anderer aufzugreifen und sich so auf das Abenteuer Lehre einzulassen. Die Kurzbeiträge sind alphabetisch nach Stichwörtern sortiert und greifen Lehrformate, -methoden, -ziele und Spannungsfelder in Themen wie Beratung, Hochschuldidaktik oder Selbstreflexion auf. Dabei verweisen die Beiträge auch untereinander auf sich. Der Einsatz von Medien und E-Learning wird nur in einem Beitrag behandelt.

Positiv hervorzuheben sind neben der sehr gelungenen und gut durchdachten Einleitung der Herausgebenden in das Themenfeld zahlreiche Lehrhäppchen, die Appetit machen, gute Praxisbeispiele anderer Dozenten umzusetzen. So beispielsweise die sehr persönlichen und offenen Einblicke in die Doktorandenausbildung der Ethnologin Bettina Beer, die ihre Erfahrung kritisch mit den strukturierten Programmen von heute vergleicht. In einem späteren Beitrag zum Thema Exkursionen schildert sie sehr anschaulich wichtige Elemente guter Lehre: Neugier, Begeisterung und das tiefe Durchdringen eines Themas durch das Lehren und Lernen mit und von Studierenden sowie die Nachhaltigkeit guten Unterrichts: Aus Interessen entwickeln sich Seminar- und später Masterarbeiten sowie anschließende Forschungsprojekte.

Doch so gut die Lehrhäppchen schmecken – das Sättigungsgefühl lässt auf sich warten. Mit ihren meist 4-5 Seiten geben die Essays nur oberflächliche Einblicke in die Konzepte der Hochschullehrenden. Durch das alphabetische Listen von Einzelthemen ist ein systematisches Vorgehen beim Lesen zudem schwierig. Gerade Lehranfänger, die sich oft konkrete und strukturierte Handlungsempfehlungen, didaktisches Wissen und Umsetzungsmöglichkeiten wünschen, wird der Sammelband mit der Frage zurück lassen, wie sie das Abenteuer Lehre nun planvoll angehen sollen.

Fazit: Für fortgeschrittene Lehrende an Universitäten, aber auch an Schulen, kann der Sammelband spannende praxisnahe Ideen für die eigene Unterrichtstätigkeit mitgeben. Es macht Spaß in dem sehr ansprechend gestalteten Buch zu schmökern und persönliche Einblicke in fremde Hörsäle und Seminarräume zu erhalten. Für die betriebliche Bildung wird der Leser jedoch wenig Umsetzbares herausziehen können. Auch wer auf der Suche nach handfesten Empfehlungen für die Gestaltung guter Lehre ist, sollte sich nach Alternativen umschauen. Ebenso, wer nach Inspirationen zum Medieneinsatz oder E-Learning an (Hoch-)Schulen sucht.