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Nina Kahnwald et al.: Informelles Lernen Studierender mit Social Software unterstützen. Strategische Empfehlungen für Hochschulen.

Rezensent: Dirk Jahn, FBZHL

Originalliteratur:

Kahnwald, Nina; Albrecht, Steffen; Herbst, Sabrina; Köhler, Thomas: Informelles Lernen Studierender mit Social Software unterstützen. Strategische Empfehlungen für Hochschulen. Münster (Waxmann) 2016, ISBN 978-3830933403, 166 Seiten, EUR 27,90.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 67. Erg.-Lfg. Februar 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


In vielen Fachpublikationen, Projekten, Initiativen oder Vorträgen beschäftigen sich derzeit Expertinnen und Experten mit der Frage, wie die Kernprozesse der Universität in Forschung, Lehre und Verwaltung durch digitale Werkzeuge nachhaltig unterstützt, organisiert und strukturiert werden können.

Das informelle Lernen der Studierenden jenseits von Lehrveranstaltungen wird dabei oftmals aus dem Blick verloren. Genau dieses Lernen aber – an ganz konkreten und relevanten Situationen zur Bewältigung des Studienalltags – ist oftmals für die Studierenden viel weitreichender, prägender und vielfältiger als das beim Erwerb von Scheinen oder ECTS-Punkten in den obligaten Lehrveranstaltungen. Und das, obwohl es im Gegensatz dazu unstrukturiert, nicht zertifiziert oder gar nicht-intentional geschieht. Eine Beobachtung, die sich in vielen formellen Bildungs- und Ausbildungsbereichen treffen lässt.
In einem Forschungsprojekt haben sich ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich E-Learning und Informationstechnologien mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. In dem Verbundprojekt „Learner Communities of Practice“, das von 2009 bis 2012 an sächsischen Hochschulen durchgeführt wurde, sind die Forscherinnen und Forscher der Frage nachgegangen, wie Hochschulen informelles Lernen von Studierenden gezielt mithilfe von Social Media unterstützen können und was es dabei zu beachten gilt. Die Ergebnisse, die in dem Buch [1] vorgestellt werden, sind nicht nur für Lehrende und Entscheidende an Hochschulen, sondern generell für Aus- und Weiterbildungseinrichtungen interessant, die sich mit der Förderung des informellen Lernens beschäftigen.

In einem ersten Schritt haben die Forschenden Studierende in unterschiedlichen Studienphasen zu ihren zu bewältigenden Herausforderungen im Studium und zur Nutzung von Social Software befragt. Zudem haben sie in Fallstudien nationale und internationale Hochschulbeispiele zur erfolgreichen Förderung informeller Lernprozesse tiefgehend analysiert. Auf Grundlage dieser im Buch dargestellten Erkenntnisse wurden verschiedene Umsetzungsszenarien entwickelt und erprobt, die ausführlich besprochen und veranschaulicht werden. Eine eher niederschwellige Maßnahme ist beispielsweise die Förderung der Medienkompetenz von Studierenden zur kompetenten Nutzung von Social Media. In dem Schulungskonzept lernen die Studierenden z. B., wie sie ihr Zeitmanagement oder auch ihr individuelles und kooperatives Lernen bzw. Arbeiten mit digitalen Werkzeugen unterstützen können. Aber auch weitreichende Interventionen werden ausführlich beschrieben, wie etwa die Einführung eines E-Portfolios zur Unterstützung des reflexiven Lernens auf Basis von Mahara, die Etablierung eines uniweiten, individuell gestaltbaren Personal Learning Environments (z. B. mit Netvibes), in dem alle relevanten Informationen und Dienste zeitgerecht zusammenlaufen oder der Aufbau eines umfassenden Wissensrepositoriums, an dem Studierende und Lehrende partizipieren und profitieren sollen. Die vielfältigen und mitunter anspruchsvollen rechtlichen, technischen und menschlichen Stolpersteine und Fallstricke bei diesen Implementierungs- bzw. Entwicklungsaktivitäten werden benannt und konstruktiv adressiert (z. B. durch Machbarkeitsstudien, Bedingungs- und Prozessanalysen, Einbindung aller Akteure usw.).

Das nüchtern, aber verständlich geschriebene Buch bietet eine gute Einführung in die Theorie und Praxis der Förderung des informellen Lernens bei Studierenden. Gerade Praktiker können sich über konkrete Anregungen, Handlungsanweisungen, weiterführende Quellen oder Sammlungen und Bewertungen von Social-Software-Tools freuen. Die kritische und durchaus relevante Frage aber, ob die Studierenden ihr informelles Lernen nicht am besten selbst und über ihre eigenen Kanäle organisieren sollten (wie sie das immer auch schon machen), behandeln die Autoren allerdings nicht gründlich genug.

 

[1] Der Volltext ist unter https://www.waxmann.com/fileadmin/media/zusatztexte/3340Volltext.pdf abrufbar.