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Jürgen Handke & Anne Maria Schäfer: E-Learning, E-Teaching und E-Assessment in der Hochschullehre.

Rezensent: Dirk Jahn

Originalliteratur: Handke, Jürgen & Schäfer, Anne Maria: E-Learning, E-Teaching und E-Assessment in der Hochschullehre. München (Oldenbourg Verlag) 2012, ISBN 978-3486708004, 403 Seiten, 39,80 Euro.

Quelle: Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning.www.personalwirtschaft.de/elearning

Aushängeschilder an Hochschulen sind heutzutage neben den Errungenschaften aus der Forschung auch »innovative«, internetgestützte Lehr-Lernangebote, häufig in Form von eigenen Lernplattformen. Was dabei in der Außendarstellung modernes, internetbasiertes, selbstgesteuertes Lernen suggeriert, ist vielfach jedoch bei genauerer Betrachtung nur Schein: Jürgen Handke und Anne Maria Schäfer – beides E-Didaktiker und Forschende an der Universität Marburg im Bereich der Linguistik – belegen in ihrem Werk, dass »innovatives« E-Learning in Hochschulen meist nicht das hält, was es verspricht.

Das Potential von E-Learning wird aus mehreren Gründen nicht adäquat verwirklicht und bleibt ungenutzt. Lernplattformen werden z. B. in den meisten Fällen bestenfalls nur als »Folienfriedhöfe« verwendet.

Dafür aber legen die Autoren nun ein »Rezeptbuch« für den erfolgreichen Einsatz von E-Learning in der Lehre vor: Anhand ihres eigenen Konzeptes wollen sie zeigen, wie sowohl E-Learning, E-Teaching und E-Assessment aufeinander abgestimmt gestaltet werden können und dabei nicht nur didaktische Mehrwerte in der Lehre geschaffen, sondern auch erhebliche Zeiteinsparungen für Lehrende realisiert werden.

Das Buch ist an Lehrende und Entscheider, die E-Education nutzen möchten, sowie für Verantwortliche in diesen Bereich an Hochschulen gerichtet.

In dem Buch werden vielfältige Aspekte des internetgestützten Lehrens und Lernens in der Hochschullehre diskutiert. Sowohl die Inhaltserschließung und didaktische Gestaltung von multimedialen Online-Lernszenarien (E-Learning) und die curriculare Integration dieser digital unterstützten Lehr-/Lernszenarien (E-Teaching) als auch die computergestützte Leistungsbeurteilung bzw. -diagnostik (E-Assessment) stehen dabei im Fokus.

Jedes Kapitel beinhaltet eine theoretische Einführung zu relevanten Inhalten und einen Überblick zu bestehenden Methoden, Praxisprojekten usw. Dabei werden auch eigene Modelle und Systematisierungen der Autoren wie z. B. eine E-Learning-Taxonomie dargestellt.Darauf aufbauend schlagen die Autoren jeweils eine Brücke zu ihrem eigenen Konzept – ein lernplattformbasiertes E-Education-System, das die genannten drei Bereiche schlüssig verzahnt.

Die Inhaltsvermittlung bzw. -erschließung geschieht dabei im Selbststudium online durch verschiedene multimedial aufbereitete Lernmaterialien, insbesondere Lehrvideos und Animationen. Das Lernen wird des Weiteren durch den Einsatz von Web-2.0-Technologien unterstützt. Die Vorlesungen und Übungen hingegen, die in Präsenz stattfinden, dienen daher nicht mehr der Stoffvermittlung, sondern werden rein zum Üben, Experimentieren oder Vertiefen herangezogen. Das Assessment verläuft dazu formativ und computergestützt, z. B. durch Online-Worksheets.

Das Buch schließt mit einer Fallstudie, bei der das Konzept an einer jamaikanischen Universität integriert wurde. Die Studierenden und Lehrenden dort erwiesen sich dabei teilweise als recht (E-)widerspenstig.

Fazit: Die Autoren geben einen guten Überblick zu E-Learning im Hochschulkontext und offerieren praktische Anregungen für die Lehre, z. B. durch Checklisten am Ende jeden Kapitels. Trotz den auf dem Cover des Buches versprochenen »Rezepten für den erfolgreichen Einsatz« bleibt das Kochen aber weiterhin eine diffizile Angelegenheit in der Küche des computergestützten Lehrens und Lernens an Hochschulen, sind doch die jeweils anwesenden Köche und Küchengehilfen, die erhältlichen Zutaten, die Küchenausstattungen und natürlich auch die Geschmäcker grundverschieden.

Das vorgestellte Konzept birgt zwar interessante Ideen, jedoch lässt es sich nicht allgemein als beste Lösung für die Hochschulen betrachten – zu verschieden sind die jeweiligen Rahmenbedingungen. Neben den offensichtlichen Vorteilen des vorgestellten Ansatzes gibt es des Weiteren auch Schwachstellen, die nur teilweise in der Reflexion Anklang finden. Dennoch bietet das Buch gute Argumente und Beispiele, E-Learning in der Hochschullehre anders zu denken und neu zu gestalten.