Links zu weiteren Portalen

Seiteninterne Suche

FBZHL aktuell

Lernteamcoaching. Eine Methode zur Förderung des eigenverantwortlichen und kooperativen Lernens

Kurzinfos_ZiLL_19-2014_Lernteamcoaching

Aus der Reihe: Schriften zur Hochschuldidaktik. Beiträge und Empfehlungen des Fortbildungszentrums Hochschullehre der Friedrich-­Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Patrick Fleischmann, Helmut Geupel & Bärbel Lorbeer, Fachhochschule Heilbronn – Hochschule für Technik und Wirtschaft/Fachhochschule München – University of Applied Sciences

Quelle

Fleischmann, P. , Geupel, H. & Lorbeer, B. (2006). Lernteamcoaching. In B. Berendt, B. Szczyrba, H. P. Voss & J. Wildt (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre (C 2.5, pp. 1-18). Stuttgart: Raabe.

Problembeschreibung / Zieldefinition

Wie können Studierende beim Erwerb von soft skills effektiv unterstützt werden? Um den Umfang der zu besuchenden Veranstaltungen für die Studierenden nicht weiter zu erhöhen, bietet es sich an, Fachinhalte und innovative Lehr-Lernformen miteinander zu verbinden, so dass der Erwerb von soft skills in die Lehre integriert wird. Ein Beispiel für die Integration von Fachinhalten und innovativen Lehr-Lernformen ist das Lernteamcoaching. Das Lernteamcoaching ist eine Form der textbasierten Gruppenarbeit, die sowohl die Fähigkeit zum Selbstlernen als auch die Fähigkeit zum kooperativen Arbeiten fördern soll. Die genannten Kompetenzen werden beim Lernen des Fachinhalts mit erworben.

Das Lernteamcoaching wurde als Reaktion auf die Beobachtung entwickelt, dass die in einem Ingenieursstudium vermittelten Fachinhalte die Studierenden nicht hinreichend auf die veränderten Berufsanforderungen vorbereiten. Sogenannte soft skills, also die Fähigkeit zur selbstständigen Weiterbildung, zur Kooperations- und zur Organisationskompetenz haben an Bedeutung gewonnen, während die Bedeutung auswendig gelernten Wissens nun weniger stark im Vordergrund steht.

Herangehensweise / Lösungsansatz

Das Lernteamcoaching ist in folgende Schritte aufgebaut (siehe Abbildung 1):

Abbildung19

Abbildung 1: Schema der Methode des Lernteamcoachings (Quelle: Abbildung 2.5-3. Coaching-Schema, in: B. Szczyrba, H. P. Voss, & J. Wildt (Hrsg.). (2006). Neues Handbuch Hochschullehre. Stuttgart: Raabe (CD-Rom Beilage).)

1) Beim Selbstlernen (Phase 1) erarbeiten sich die Studierenden selbstständig einen vom Dozenten eigens für diesen Zweck erstellten Lerntext durch und notieren sich Unklarheiten und Fragen.

2) Beim Lernen im Team (Phase 2) diskutieren die Studierenden die Fragen, die in der ersten Phase aufgeworfen wurden.

3) In der drittenPhase, dem eigentlichen Lernteam-Coaching, werden im Austausch mit der Lehrperson die verbliebenen offenen Fragen bearbeitet. Das Lernteam-Coaching gliedert sich ebenfalls in drei Teile (siehe Abbildung 2):

Abbildung19_2

Abbildung 2: Ablauf des Lernteam-Coachings (Phase 3)

  1. In der Kontraktphase werden die Studierenden darin unterstützt, ihre Verständnisprobleme aus den vorhergehenden Phasen zu erkennen und darzustellen. Außerdem kann die Lehrperson selbst Punkte einbringen, die ihr am Lerntext diskussionswürdig oder besonders wichtig erschienen.
  2. Die Kernphase dient dazu, die aufgeworfenen Fragen gemeinsam zu beantworten. Wichtig hierbei ist eine kooperative Haltung von Lehrperson und Studierenden, da alle am Lösungsfindungsprozess beteiligt werden sollten.
  3. In der Abschlussphase soll das Gelernte noch einmal systematisch wiederholt werden und es soll eruiert werden, ob noch Fragen offen geblieben sind bzw. wo noch Lernbedarf besteht. Diese Phase wird von den Studierenden selbst durchgeführt.

Die Lehrmethode wird außerdem durch ein Professoren-Coaching ergänzt, so dass die Lehrenden bei der Implementation der Methode unterstützt werden und sich gegebenenfalls Rat einholen können.

Aufwand

Das Lernteamcoaching bedeutet für die Lehrperson einen zeitlichen Mehraufwand, da sie einen Lerntext entwerfen muss, der für die Studierenden lernmotivierende Wirkung hat. Eine finanzielle Belastung kann durch die Schulung der Dozenten in der neuen Methode entstehen, dies kann jedoch kostengünstig gestaltet werden, indem die Dozierenden von Studierenden unterstützt werden, die dafür eine bestimmte Anzahl an ECTS Punkten erhalten.

Auch für die Studierenden bedeutet das Lernteamcoaching einen Mehraufwand im Vergleich zu klassischen Lehr-Lernformen. Dennoch sprachen sich immerhin 55% der Teilnehmer in der Studie für die reguläre Einführung der Methode aus.

Neben diesem zeitlichen Mehraufwand bedeutet das Lernteamcoaching auch eine Umstellung der Arbeitshaltung sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Lehrpersonen: Für erstere, weil sie nicht als passive Rezipienten von Informationen agieren, was ja auch beabsichtigt ist. Für letztere, weil sie sich nicht mehr als alleinige Wissensvermittler, sondern als Lernberater und gleichberechtigte Partner im Lernprozess verstehen sollen.

Art der Evaluation, Erfolgsfaktoren und Resultate

Im Zuge der Studie wurde beobachtet, dass die Teilnehmer die meisten inhaltlichen Probleme in der Selbstlern- oder Gruppenphase lösen konnten, was von den Autoren als Erfolg des Lernteamcoachings gesehen wird.

80-90% der Teilnehmer gaben an, dass das Lernteamcoaching ihnen zu einem aktiveren, intensiveren und motivierteren Lernen verholfen hat. Auch sahen die Studierenden einen Gewinn darin, selbst die Moderation einzelner Sitzungen zu übernehmen, und sie konnten ihre anfängliche Scheu vor der Übernahme der Moderatorenrolle abbauen.

Empfehlungen

Die positiven Rückmeldungen zu dieser Lehrmethode sprechen dafür, dass das Lernteamcoaching die Studierenden bei einer vertieften Auseinandersetzung mit den Lerntexten unterstützt und sie darüber hinaus ihre soft skills ausbauen können. In Lehrveranstaltungsformen, in denen auch bisher schon mit Texten gearbeitet wurde und in denen die Anzahl der Studierenden 50 nicht übersteigt, kann daher der Einsatz des Lernteamcoachings empfohlen werden.

Verallgemeinerbarkeit

Das Lernteamcoaching wurde ursprünglich in den Ingenieurswissenschaften entwickelt. Die Methode ist jedoch so allgemein gehalten, dass sie auch auf andere Studiengänge übertragen werden kann, in denen die Studierenden mit Texten arbeiten.