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Ulrike Höbarth: Konstruktivistisches Lernen mit Moodle. Praktische Einsatzmöglichkeiten in Bildungsinstitutionen.

Rezensent: Dr. Dirk Jahn

Quelle: Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning. www.personalwirtschaft.de/elearning

Originalliteratur: Höbarth, U.: Konstruktivistisches Lernen mit Moodle. Praktische Einsatzmöglichkeiten in Bildungsinstitutionen, 3. Auflage, Boizenburg (VWH Verlag) 2013, ISBN 978-3-940317-08-7, 211 Seiten, 29,90 Euro.

Was ist »lernen« und wie lernt man eigentlich? Was nach einer trivialen Frage klingt, zieht bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl an unterschiedlichen Interpretationen und Zugängen mit sich. Eine derzeit populäre Erklärung liefert das Paradigma des Konstruktivismus. Lernen bedeutet in diesem Verständnis grob gesprochen, sich die objektive Welt auf ganz subjektive Weise durch Handlungen zu erschließen, anzuverwandeln, zu »konstruieren«. Viele der »modernen« handlungs- und kompetenzorientierten didaktischen Ansätze beziehen sich mitunter darauf.

Wie aber sollten demnach Lernsituationen gestaltet werden und wie können dabei Online-Werkzeuge unterstützend eingesetzt werden? Wo liegen die Stärken, aber auch die Schwächen im Vergleich mit »konventionellen« Präsenzveranstaltungen? Die in der Lehrerfortbildung tätige E-Learning-Expertin Ulrike Höbarth legt mit ihrem bereits in der dritten Auflage erschienenen Buch eine sowohl theoretische als auch praktische Einführung in das konstruktivistische Lernen mit der verbreiteten Open-Source-Lernplattform »Moodle« vor.

Das Buch richtet sich primär an Lehrende aus unterschiedlichen Kontexten, die sich für die Gestaltung konstruktivistischer Lernarrangements, insbesondere mit Moodle, interessieren.

Eingangs diskutiert die Autorin die wichtigsten Lerntheorien, woraufhin dann vertieft der konstruktivistische Lernansatz und dessen didaktische Gestaltungsprinzipien vorgestellt werden. In diesem Zuge werden z. B. Formen des Feedbacks und von Aufgaben erörtert und die Übertragbarkeit auf E-Learning skizziert. Dieser Diskussionsstrang zu Gestaltungsmöglichkeiten wird dann auf Ebene der Lernplattformen fortgesetzt und mit verschiedenen, einschlägigen didaktischen Ansätzen des konstruktivistischen Lernens, wie z. B. dem »entdeckenden Lernen«, angereichert. Anschließend folgt eine ausführliche Darstellung der verschiedenen didaktischen Funktionen von Moodle, den sogenannten Lernaktivitäten wie z. B. »Aufgabe«, »Wiki« oder »Journal«. Zusätzlich werden auch weiterführende Anwendungen wie etwa der Aufgabengenerator »Hot Potatoes« besprochen, die sich in Moodle einbinden lassen. Daraufhin wird das Lernen mit Moodle anhand von sechs ausführlich beschriebenen Fallstudien veranschaulicht. Die Fallstudien sind sowohl aus dem schulischen Kontext, aber auch aus der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften entnommen. Diese Praxisberichte machen z. B. die Gestaltung des kooperativen und kollaborativen Lernens durch Wiki oder Webquests deutlich oder zeigen, wie das Prüfen mit Moodle innovativ gestaltet bzw. unterstützt werden kann. Danach werden die knappen Evaluationsergebnisse zu den Kursen dargestellt. Viele der Materialien und Kurse können auch online kostenfrei angesehen oder ausprobiert werden. Zum Abschluss legt Ulrike Höbarth die Lernaktivitäten von Moodle mit den originären Anwendungen des Web 2.0 vergleichend im Rahmen eines Fazits nebeneinander.

Fazit: Zum einen bietet das gut lesbare Buch eine fundierte didaktische Einführung in das konstruktivistische Lernen und die Gestaltung von Lernarrangements. Zum anderen gibt es einen nützlichen und praktischen Überblick zu den vielfältigen Funktionen von Moodle. Gerade für Moodle- Beginner dürfte das sehr hilfreich sein. Durch die Praxisbeispiele und die vielseitigen Empfehlungen der Autorin werden zahlreiche wertvolle Anregungen für die praktische Arbeit mit Moodle gegeben. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem konstruktivistischen, lernplattformbasierten Lernen, z. B. im Vergleich zu anderen Lehr-Lernformen, findet jedoch nur bedingt statt. Das schadet der Zielsetzung des praxisstarken und theoretisch überzeugenden Buches jedoch in keinster Weise.