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Problemorientiertes Lernen durch Experimententwicklung

Kurzinfos_FBZHL_4-2013-ZFHE-2007-4-23

Aus der Reihe:

Schriften zur Hochschuldidaktik. Beiträge und Empfehlungen des Fortbildungszentrums Hochschullehre der Friedrich-­Alexander Universität Erlangen-­Nürnberg.

Henrik Egbert, Universität Gießen
Vanessa Mertins, Universität des Saarlandes

Studienfach: Wirtschaftswissenschaften > übertragbar auf andere Fächer, bei denen Methodenlehre relevant ist.

Quelle

Zeitschrift für Hochschulentwicklung (FZHE), Jg. 2 / Nr. 4 (Dezember 2007), S. 23–33

http://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/96

Problembeschreibung / Zieldefinition

Handlungs- und problemorientierte Ansätze der Wissensvermittlung sind oft erfolgsversprechend, da sie die aktive Auseinandersetzung und das eigenständige Erarbeiten von Lerninhalten fördern.

An der Universität Saarbrücken wurde ein handlungsorientierter Ansatz didaktisch umgesetzt: die Studierenden hatten die Aufgabe, ökonomische Experimente selbst zu konzipieren und durchzuführen.

Herangehensweise / Lösungsansatz

Die Aufgabe im Modul „Entwicklung ökonomischer Experimente“ lautete, eine selbst gewählte Forschungsfrage mit Hilfe eines eigenständig entwickelten und durchgeführten Verhaltensexperiments zu beantworten.

Das Moduls bestand aus vier Stufen, von denen die erste im traditionellen Vorlesungsstil, die folgenden drei im Stil des problemorientierten Lernens konzipiert waren:

Problemorientieres Lernen

Problemorientieres Lernen

In der ersten Stufe wurde gezielt die Form des Frontalunterrichts gewählt, da hier primär Faktenwissen (Methodenwissen bei Verhaltensexperimenten, aktueller Stand der Forschung mit beispielhaften Arbeiten sowie inhaltliche Grundlagen) vermittelt werden sollte. Diese Stufe endete mit einem schriftlichen Test zur Ergebnissicherung.

In der zweiten Stufe wurden die Studierenden in Gruppen eingeteilt und erhielten den Auftrag, zwei bis drei Fragestellungen zum Thema zu formulieren. Dazu sollten sie die einschlägige Literatur analysieren, passende Hypothesen formulieren und entsprechende Experimentendesigns entwickeln. Die Stufe endete mit der Vorstellung und Verteidigung der generierten Ideen im Plenum.

In der dritten Stufe erfolgte die Vorbereitung und Durchführung der Experimente, eigenständig organisiert von den Studierenden; die vierte Stufe diente der Auswertung, Interpretation und Präsentation der Ergebnisse im Plenum (zur genaueren Darstellung von Stufen 3 und 4 siehe Originaltext). Abschließend sollte jede Gruppe eine mehrseitige Dokumentation des realisierten Experiments anfertigen.

In allen Stufen standen die betreuenden Dozierenden für Unterstützung und Beratung zur Verfügung.

Die Note für das Modul setzte sich aus den Teilleistungen Test, Vortrag und schriftliche Ausarbeitung zusammen.

Aufwand

Von den Studierenden selbst wurde in einer anschließenden Evaluation der hohe Zeitaufwand bemängelt. Tatsächlich mag der Aufwand weniger bei der Konzeption des Moduls liegen, sich also für die verantwortlichen Dozierenden in Grenzen halten, aber bei Durchführung und Betreuung scheint er doch recht hoch zu sein.

Art der Evaluation, Erfolgsfaktoren und Resultate

Eine Evaluation, die noch während des Moduls durchgeführt wurde, zeigte, dass insbesondere mangelnde Vorkenntnisse von Seiten der Studierenden, die aber im Konzept vorausgesetzt wurden, z. B. unzureichendes Methodenwissen, den Erfolg der Maßnahme beeinträchtigten.

Ihren Lernerfolg stuften die Studierenden bei diesem Modul im Vergleich zu anderen Hauptstudiumsveranstaltungen als sehr hoch ein. Insbesondere die Anwendungsorientierung und das aktive Lösen von Problemen in der Gruppe wurden positiv hervorgehoben. Dieser Erfolg allerdings auf Kosten des Zeitaufwands (s. o.).

Empfehlungen

Einschränkend halten wir fest, dass sich das Veranstaltungskonzept nur mit Studierenden, die über entsprechende Vorkenntnisse verfügen und überdurchschnittlich motiviert sind, umsetzen lässt. Nicht zu unterschätzen ist der hohe Zeit- und Arbeitsaufwand insbesondere für die Studierenden; als passendes Format werden vier SWS, maximal 25 Teilnehmende und zwei Lehrende empfohlen.

Weiterführende Literatur:

Eine englische Version des Artikels mit stärkerer Akzentuierung der Literatur ist veröffentlich als: Egbert, H. & Mertins, V. (2010). Experiential Learning with Experiment. International Review of Economics Education, 9 (2), 59–66.

Verallgemeinerbarkeit

Das Konzept ist ohne Weiteres auf alle Fächer, bei denen Methodenlehre relevant ist, übertragbar.