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Klaus Schwab: Die Vierte Industrielle Revolution.

Rezensentin:
Ramona Rappe, FBZHL
Originalliteratur:
Klaus Schwab: Die Vierte Industrielle Revolution. München, Pantheon Verlag 2016, ISBN 978-3570553459, 240 Seiten, EUR 14,99.
Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 67. Erg.-Lfg. Februar 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


Klaus Schwab ist Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF) und nutzt dort durchgeführte Initiativen und Projekte als Grundlage für die von ihm präsentierten Informationen und Analysen. Mit seinem Buch möchte er eine Einführung in die Vierte Industrielle Revolution vorlegen, und beweisen, dass es sich aufgrund ihrer Schnelligkeit, Breite und Tiefe sowie der Macht zur vollständigen Systemtransformation, tatsächlich um eine eigenständige Revolution handelt. Zur Untermauerung seiner Thesen zieht er v. a. Fortschritte in den Bereichen der Medizin/Genetik/Biologie (DNA-Sequenzierung, Bioprinting), der Technik (Robotik, künstliche Intelligenz, 3D-Druck) und der Ökonomie (On-Demand-Economy, digitale Plattformen) heran. Alles Beispiele dafür, wie unsere Art zu arbeiten, zu kommunizieren, zu denken und zu leben revolutioniert wurde oder werden wird.
Im Zentrum der Abhandlung steht die Beschreibung der immer stärkeren Verschmelzung und wechselseitigen Beeinflussung der digitalen, biologischen und physischen Sphären. Schwab erkennt und würdigt das sich offenbarende Potential ausführlich, versäumt es allerdings nicht, eindringlich auf begleitende Risiken (u. a. soziale Ungleichheit, Kapitalkonzentration, Cyberkrieg) hinzuweisen. Die Entscheidung darüber, ob die Vor- oder Nachteile der Vierten Industriellen Revolution die Überhand gewinnen, unterliegt jedoch nicht dem Zufall. Der Verfasser fordert vielmehr vehement dazu auf, aktiv die sich darbietenden Chancen im gesamtgesellschaftlichen Interesse zu nutzen. Dies könne u. a. mithilfe einer Strategie der kontinuierlichen Innovation, agiler Politikgestaltung und einer allumfassenden Systemtransformation gelingen. Was genau unter diesen Schlagworten verstanden werden soll, bleibt im Grunde aber ungeklärt. Schwab konzentriert sich auf die Analyse der technischen Entwicklungen der Gegenwart und nahen Zukunft (bis 2025) bzgl. ihrer (zu erwartenden) positiven, negativen und ambivalenten Auswirkungen und verzichtet dafür weitgehend auf die Darlegung möglicher Handlungsspielräume seiner Adressaten, zu denen beispielsweise Unternehmer, Politiker, Ökonomen und Wissenschaftler gehören.
Die Relevanz der Publikation im pädagogischen Kontext liegt vor allen Dingen darin, die zukünftigen Generationen für den bereits begonnenen Umschwung zu sensibilisieren und Verständnis für die unumkehrbaren und zugleich unaufhaltsamen Entwicklungen zu schaffen. Besonders Unternehmen stehen vor der Herausforderung passende Strukturen zu schaffen, um Entfremdungserscheinungen abzumildern und zugleich Arbeit als Quelle der Sinnstiftung und Identitätsbildung zu erhalten. Gleichermaßen müssen die technischen Veränderungen und digitalen Innovationen bei der (Um-)Gestaltung der beruflichen und schulischen Systeme berücksichtigt werden, um dem Nachwuchs sichere Zukunftsperspektiven bieten zu können und Fachkräfte langfristig unersetzbar zu machen. Viele, aktuell gefragte Berufe werden in absehbarer Zeit aufgrund der fortschreitenden Automatisierung quasi keinerlei menschlicher Steuerung mehr bedürfen. Somit gilt es, neuartige und alternative Beschäftigungsfelder zu etablieren, um einerseits wettbewerbsfähig zu bleiben und andererseits Massenarbeitslosigkeit und die Verschwendung von Humanressourcen zu verhindern
Insgesamt bietet die Schrift einen umfassenden und durchaus interessanten Überblick über die aktuellen Megatrends unserer hochkomplexen, schnelllebigen, hypervernetzten und zunehmend fragmentierten Welt. Der Lesefluss leidet meines Erachtens jedoch zu sehr unter der extrem kleinteiligen Untergliederung der Kapitel, ohne entsprechende Abbildung im Inhaltsverzeichnis und Nummerierung. Darüber hinaus verbleiben die vom Autor angekündigten praktischen Ideen und Lösungsansätze nur an der Oberfläche, ohne diese anhand konkreter Beispiele zu veranschaulichen.