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Roland Geschwill & Martina Nieswandt: Laterales Management: Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter.

Rezensentin:

Ramona Rappe, FBZHL

Originalliteratur:

Roland Geschwill & Martina Nieswandt: Laterales Management: Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter. Wiesbaden, Springer Fachmedien 2016, ISBN 978-3658111311, 210 Seiten, EUR 24,99.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 68. Erg.-Lfg. April 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


Agiles Management, Srum, Design Thinking… Managementmoden und -methoden kommen und gehen. Mal handelt es sich dabei um Ideen zur Nutzung von Einsparungs-, oder Verbesserungspotentialen und manchmal auch nur um neue, hippe Namensgebungen für Altbekanntes. Roland Geschwill und Martina Nieswandt sind nach langjähriger Erfahrung in der Managementberatung und Organisationsentwicklung jedoch davon überzeugt, dass Laterales Management Unternehmen wirklich dabei behilflich sein kann, neuartige Problemstellungen, Unsicherheiten und die verschärfte Marktkonkurrenz erfolgreich zu meistern. Dass Unternehmen im 21. Jahrhundert vor bisher unbekannten Herausforderungen stehen, ist angesichts technologischer Innovationen, digitaler Geschäftsmodelle und der stetig zunehmenden Geschwindigkeit des Wandels schließlich schon lange nicht mehr zu leugnen.

Die Autoren, beides Gründer und Geschäftsführer der „Denkwerkstatt für Manager“ sind sich sicher, dass klassisches Management im digitalen Zeitalter ausgedient hat und somit auch dessen Überreste wie lineare Führungskultur, vertikale Entscheidungsprozesse und Machtkonzentration an der Unternehmensspitze der Vergangenheit angehören müssen, damit Betriebe weiterhin wettbewerbs- und zukunftsfähig bleiben können. Laterales Management setzt an den Grundprinzipien einer Organisation an: Führen, Entscheiden und Zusammenarbeiten müssen radikal umgestaltet werden – und zwar auf Augenhöhe, d.h. mit möglichst wenig Bürokratie, Zentralismus und Anweisungshierarchie. Gelingt das nicht, bleiben Motivation, Kreativität und Innovation der Belegschaft in den veralteten Organisationsmodellen früher oder später auf der Strecke und katapultieren moderne, flexible und digitale Start-Up-Unternehmen auf die Überholspur. Wichtig sei neben der geforderten radikalen Umgestaltung der Organisationskultur jedoch vor allem, dass es endlich der Mitarbeiter als Mensch ist, der in das Zentrum der strukturbezogenen Firmenaktivitäten rückt.

Eingebettet wird die Erläuterung des Konzepts sowohl durch einen Rückblick auf die historische Entwicklung von Managementkonzepten als auch durch Erfolgsgeschichten  heutiger Unternehmen, die den Weg hin zur lateralen Organisation bereits beschritten haben. Es wird beispielsweise gezeigt, inwiefern die verschiedensten Ansätze seit dem 19. Jahrhundert zur Entwicklung des Lateralen Managements beigetragen haben und wie einzelne Ideen der geistigen Väter (u. a. Henry Ford und Max Weber) darin zu einer Einheit verschmelzen. Im letzten Kapitel folgen dann zahlreiche Praxistipps, Empfehlungen und Instrumente zur sukzessiven Implementierung lateraler Elemente. Dazu gehören Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Reflexionsbögen und Skalen, z. B. zur Einschätzung des Führungsstils, zur Gestaltung von Meetings oder dem Messen von Kulturveränderungen. Etwas überraschend ist an dieser Stelle jedoch, dass hierbei kein Blick über den Tellerrand der analogen Welt gewagt wird. Denn obwohl es sich beim Lateralen Management um ein Prinzip handelt, dass vor allem im Zeitalter der Digitalisierung Erfolg versprechen soll, wird auf die  Erläuterung entsprechender digitaler Werkzeuge leider verzichtet.

Zur primären Zielgruppe der Publikation zählen sicherlich vielbeschäftigte Manager. Dies zeigt sich sowohl an der beigefügten Zusammenfassung („Für Leser mit wenig Zeit“), die die gesamten Inhalte des Buches auf sechs Seiten komprimiert oder auch dem Vorschlag, einfach das dritte Kapitel beim Lesen zu überspringen. Doch auch Interessierte ohne Personalverantwortung können von der Lektüre profitieren, da sie spannende Einblicke in Strukturwandlungsprozesse (inter-)nationaler Firmen bietet und einen Eindruck davon vermittelt, welch wichtige Rolle die Organisationskultur bei all dem spielt.