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Elisabeth Kaliva: Didaktische Implikationen des projektbasierten Lernens beim Einsatz von Social Learning Environments.

Rezensent:

Dirk Jahn, FBZHL

Originalliteratur:

Kaliva, Elisabeth: Didaktische Implikationen des projektbasierten Lernens beim Einsatz von Social Learning Environments. Duisburg-Essen (Werner Hülsbusch Verlag) 2016, ISBN 978-3864880926, 296 Seiten, EUR 29,90.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 68. Erg.-Lfg. April 2017 www.personalwirtschaft.de/elearning


Etablierte Learning-Management-Systeme (LMS) wie Ilias oder Moodle werden schon seit Anbeginn ihrer Erfolgsgeschichte scharf kritisiert: Zu lehrzentriert, zu abgeschottet, zu unidirektional, zu sehr Dateihalde und Folienfriedhof – um nur einige der Diagnosen zu nennen. Seit einiger Zeit müssen sich diese Plattformen nun gegen eine neue Generation von Anwendungen behaupten. Sogenannte „Social Learning Environments“ (SLE) setzen auf Tools und Einstellungen, die die Aktivitäten der Lernenden in den Mittelpunkt stellen. Kommunikation, Kollaboration, Inhaltsverwaltung und Community-Bildung sollen so viel stärker betont werden als bei konventionellen LMS. Im Zentrum des SLE steht die aktive und gleichberechtigte Partizipation aller Lehrveranstaltungsbeteiligten. Wie aber sollten SLE in Lehrveranstaltungen eingesetzt werden, damit ihre Potentiale nutzbar werden?

Die E-Learning-Expertin und -Praktikerin Elisabeth Kaliva geht in ihrer Doktorarbeit, die nun im Hülsbusch-Verlag erschienen ist, der Fragestellung nach, wie SLEs in projektbasiertes Lernen gewinnbringend integriert werden können. Eine Fragestellung, die nicht nur für Hochschulen, sondern auch für schulische und betriebliche Bereiche relevant ist.

Nach einer kurzen Einführung in die Bedeutung ihrer Fragestellung und einem Überblick zur Forschungsarbeit[1] wendet sich die Autorin im theoretischen Teil dem projektbasierten Lernen zu. Sie diskutiert unter anderem dessen Historie, setzt sich mit Begriffsdefinitionen und Modellen auseinander, beleuchtet Merkmale und Herausforderungen von Projekten, skizziert die Rolle des Lehrenden, führt in das „Community of Inquiry Framework“ als didaktisches Raster für ihre Untersuchung ein, veranschaulicht den Medieneinsatz im Rahmen von SLEs in Projekten und referiert den aktuellen Forschungsstand. Es wird deutlich, dass Projekte, wenn sie unter bestimmten Qualitätsgesichtspunkten angelegt werden, anspruchsvolle, praxisnahe, motivierende, kompetenzorientierte, nachhaltig bildende und emanzipatorische Lernformen sein können, in denen Studierende Verantwortung und Kontrolle für ihr Lernen und Handeln übernehmen. Social Learning Tools können dabei einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Aktivitäten in den verschiedenen Projektphasen leisten. 

Im empirischen Teil der Arbeit erforscht die Autorin die didaktischen Implikationen vor, während und nach dem Einsatz eines SLE in drei verschiedenen didaktischen Settings in Projektveranstaltungen an Hochschulen. Die gewonnenen Ergebnisse sind vielfältig und teilweise überraschend. Deutlich wird beispielsweise, dass SLEs alleine kein didaktisches Allerheilmittel sind, sondern eher ein Spiegelbild der Gemeinschaft beim projektorientierten Lernen. Beispielsweise ist bei gewachsenen Communities of Inquiriy viel Leben im Social Learning Environment (Diskussionen, Kommentare usw.). Bei „verkümmerten“ Gemeinschaften, in denen jeder nur für sich selbst und auf die Prüfung lernt, sieht es ganz anders aus. SLEs sind dann nichts weiter als die eingangs genannten Dateihalden, denen kaum jemand mehr aus dem Kurs Aufmerksamkeit schenkt. Gleichzeitig aber können SLEs bei konsequenter Einbindung einige Chancen zur Etablierung der Projektgemeinschaft und zum effizienten, kontinuierlichen Arbeitsablauf bieten.

Abschließend werden die erarbeiteten Ergebnisse als didaktische Gestaltungsprinzipien für Hochschulen anhand des entwickelten Phasenmodells des projektorientierten Lernens auf den Punkt gebracht. Das Buch endet mit einer Reflexion und einem Ausblick.     

Fazit: In klarer und verständlicher Sprache wird ein großer Wissensfundus zum projektorientierten Lernen aufgebaut, der sich für die Gestaltung der Praxis sehr fruchtbar erweisen könnte. Gerade die Zusammenfassung der didaktischen Prinzipien am Schluss bietet kompakt wichtige Impulse für die Umsetzung von Projekten unter Integration von SLEs an Hochschulen. Etwas ermüdend hingegen sind die langatmigen Ausführungen zum Methodenteil der Arbeit. Praxisorientierte Leser können diese aber getrost überspringen.

[1] Die Dissertation ist abrufbar unter http://www.vwh-verlag.de/vwh/wp-content/uploads/2016/02/titelei_kaliva_diss.pdf