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Annika Jokiaho: Didaktische E-Learning-Szenarien für die Hochschullehre

Rezensentin:

Ramona Zacherl, FBZHL

Originalliteratur:

Annika Jokiaho: Didaktische E-Learning-Szenarien für die Hochschullehre. Transfer Band 13. Baltmannsweiler, Schneider Verlag Hohengehren 2018, ISBN 978-3834018373, 341 Seiten, EUR 36,00.

Quelle der Rezension:
Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning. 79. Erg.-Lfg. März 2019 www.personalwirtschaft.de/elearning


Der Druck auf Hochschulen wächst: Hochschullehre soll nicht mehr einfach nur diversen Qualitätsansprüchen genügen, sondern zugleich auch modern, innovativ und digital sein. Diese politischen und gesellschaftlichen Erwartungen haben relativ zügig Einzug in zahlreiche Leitbilder und Strategiepapiere gefunden und verlangen nach Realisierung. Die konkrete Umsetzung der Digitalisierungsmaßnahmen betrifft im Sinne eines Top-Down-Ansatzes jedoch vor allem die einzelnen Lehrenden, die diese Zukunftsvisionen zwar kennen, mit der Entwicklung sinnvoller digitaler Lehr-Lern-Settings aber häufig auf sich alleine gestellt sind.

Dr. Annika Jokiaho ist langjährige E-Learning-Beauftragte der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Ihre Erfahrung zeigt, dass viele ratsuchende Lehrende sich vor allem mit Fragen rund um die technische Umsetzung von E-Learning beschäftigten, anstatt zuerst methodisch-didaktische Aspekte in den Blick zu nehmen. Von diesem Problem ausgehend, möchte sie mit ihrer wissenschaftlichen Publikation ein pragmatisches und systematisches Verfahren zur Entwicklung von didaktischen E-Learning-Szenarien vorstellen und Empfehlungen für deren sinnvollen Einsatz ausarbeiten.

In den ersten beiden Kapiteln legt Jokiaho ein solides Fundament für die spätere empirische Arbeit. Wie in vielen anderen Disziplinen auch, mangelt es in der Pädagogik oftmals an begrifflicher Trennschärfe, sodass identische Sachverhalte unterschiedliche Bezeichnungen erhalten und umgekehrt. Aus diesem Grund werden zu Beginn klar verständliche Definitionen zu den wichtigsten didaktischen Fachtermini vermittelt. Diese begrifflichen Abgrenzungen sind für das Verständnis der weiteren Ausführungen zwingend nötig, denn das im darauffolgenden Kapitel beginnende Verfahren ist komplex: Jokiahos gedankliches Fundament bildet die These, dass E-Learning-Methoden auf konventionellen Methoden (z.B. Brainstorming, Diskussion, Mindmapping) basieren. Diese herkömmlichen Methoden erfüllen verschiedene didaktische Funktionen (z.B. Vorwissen aktivieren, Wissensstrukturierung, Ergebnissicherung) und kommen innerhalb von didaktischen Szenarien (z.B. Fallstudie, Projekt, Seminar) zum Einsatz. Eine schriftliche Befragung von ausgewählten E-Learning-Expert*innen und E-Learning-Praktiker*innen dient als Entscheidungsgrundlage dafür, mithilfe welcher E-Learning-Technologien (z.B. Lernplattform, Podcast, Videokonferenzsystem) eine Methode umgesetzt werden könnte.[1] Die so entwickelten didaktischen E-Learning-Szenarien setzen sich folglich aus der Kombination eines didaktischen Szenarios mit einer oder mehreren E-Learning-Methoden zusammen.

Der Weg bis zum fertigen didaktischen E-Learning-Szenario ist lang und steinig. Neben Literaturanalysen und einem Fragebogen kommt auch ein dreistufiges Reduktionsverfahren inkl. Clusteranalyse zum Einsatz, um eine begründete Auswahl aus der Fülle an Methoden, E-Learning-Technologien und didaktischen Funktionen treffen zu können. Für Leserinnen und Leser, die bisher wenig mit wissenschaftlichen Arbeiten und/oder dem Thema E-Learning in Berührung gekommen sind, dürfte sich das Buch aufgrund seiner anspruchsvollen Vorgehensweise eher weniger eignen. In diesem Fall würde es sich anbieten, auf ein klassisches Einsteigerwerk zum Thema E-Learning auszuweichen. Für Lehrende wiederum, die sowohl an allgemeiner Didaktik als auch an E-Learning interessiert sind und sich eine wissenschaftlich fundierte Anleitung für den Transfer von klassischen Methoden in E-Learning-Methoden wünschen, dürfte dieses Buch jedoch eine gute Wahl sein.

 

[1] Es sollte berücksichtigt werden, dass es sich dennoch um subjektive Einschätzungen handelt. Allgemeingültige Aussagen über die Eignung der E-Learning-Technologie können daraus natürlich nicht abgeleitet werden.